Das Herz des Zauberers. Betty Kay

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Название Das Herz des Zauberers
Автор произведения Betty Kay
Жанр Языкознание
Серия
Издательство Языкознание
Год выпуска 0
isbn 9783960895077



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mögliche Zeichen der Götter dankbar anzunehmen. Gierig sauge ich die Energie in mir auf, bis ich fürchte, der Platz in meinem Inneren könnte nicht mehr ausreichen.

      Ich vollende das begonnene Portal. Meine Energiereserven sind so weit aufgestockt, dass ich keine Probleme habe, den Unsichtbarkeitszauber mit dem Portalerschaffungszauber zu verflechten. Selbst als ich meine Arbeit beendet habe, fühle ich mich nicht schwach. Das kann kein Zufall sein. Ich muss Hilfe aus unerwarteter Richtung erhalten haben.

      Zufrieden mache ich mich dann auf den Weg zur richtigen Stelle für den dritten Durchgang. Dabei beobachte ich die Soldaten im Lager. Von meiner Anwesenheit scheinen sie bislang nichts bemerkt zu haben. Auch während ich das vierte, fünfte und sechste Portal errichte, wird die Magie in mir nicht knapp. Erst als ich den siebenten und achten Durchgang erschaffen habe, bemerke ich, nicht mehr unerschöpflich stark zu sein. Das neunte Portal bereitet mir dennoch keine Schwierigkeiten. Ein erleichtertes Lächeln hebt meine Mundwinkel, während ich der Vollendung entgegenstrebe.

      Irgendetwas verändert sich. Einen Moment lang kann ich nicht genau sagen, was mich irritiert. Ich bemerke nur, etwas ist anders als gerade noch zuvor.

      Dann höre ich sie. Die Stille, die unheimliche Ruhe.

      Langsam wende ich mich um, während ich hastig den Unsichtbarkeitszauber wiederhole. Entsetzt wird mit klar, dass die Soldaten ihre Unterhaltungen unterbrochen haben. Kein Laut dringt an mein Ohr, doch von meinem aktuellen Standpunkt aus kann ich das Lager nicht erkennen. Vorsichtig mache ich ein paar Schritte nach vorne, bis ich zwischen zwei Büschen einen Blick auf unsere Gegner werfen kann.

      Reglos sitzen die Krieger um die Feuer herum. Ohne mit einem Muskel zu zucken, stehen die Soldaten in Gruppen zusammen. Das wirklich Unheimliche ist nicht die Tatsache, sie so plötzlich verstummt zu sehen. Nein, sie regen sich nicht, schwanken nicht, wirken wie erstarrt. Was genau ist mit ihnen passiert?

      Ich kann es nicht beweisen, aber ich befürchte, sie haben meine Anwesenheit wahrgenommen.

      Hat diese Bewegungslosigkeit etwas zu bedeuten? Horchen sie in die Umgebung, um Schwingungen von meiner Seite zu empfangen? Versuchen sie, die Energie zu erfühlen, die ich ausstrahle? Habe ich mich durch die Nutzung der plötzlich viel stärker fließenden Magie verraten? Wollen sie mich in Angst versetzen? Zumindest das ist ihnen problemlos gelungen. Ich spüre, wie meine Knie ganz weich werden. Hoffentlich sind sie nicht in der Lage, mich trotz meiner Unsichtbarkeit zu entlarven.

      Verunsichert lasse ich meinen Blick in die Runde wandern. Von den Portalen ist von meinem Standort aus nichts zu sehen. Selbst wenn unsere Feinde direkt davor stehen würden, können sie es nicht ausfindig machen. Da bin ich mir sicher. Dennoch scheint man mich bemerkt zu haben. Was habe ich falsch gemacht?

      In meinem Kopf trudeln unerwartete Nachrichten ein. Die Soldaten, die die anderen Lager unserer Feinde überwachen sollen, melden sich alle gleichzeitig zu Wort.

      »Sie haben mich gesehen!«

      »Die Fremden verhalten sich seltsam!«

      »Ich glaube, sie sind soeben vom Blitz getroffen worden!«

      »Irgendetwas geht hier vor!«

      Es fällt mir schwer, die unterschiedlichen Ausrufe zu verstehen. Dass dieses Phänomen überall gleichzeitig auftritt, verwundert mich. Ich sende eine Antwort an alle Spione gleichzeitig und versichere ihnen, dass sie nichts fürchten müssen. Anscheinend erhalten die Soldaten selbst gerade Anweisungen, verständigen sich untereinander oder werden von einem Zauber in diesen Zustand versetzt.

      Jedenfalls habe ich keinen Fehler gemacht. Sie haben meine Zauber nicht bemerkt. Wir müssen sie nur alle im Auge behalten.

      Die Energie in der Luft verändert sich neuerlich. Ich glaube, eine Vibration zu spüren, die zuvor noch nicht da war. Die Temperatur scheint anzusteigen. Schweißperlen treten auf meine Stirn. Alle meine Sinne konzentrieren sich auf das seltsame Gerät in der Mitte des Lagers.

      Das Gestein, das Umock damals bei der Entdeckung der Maschine mit meinen Lichtsteinen verglichen hat, hat seine Farbe verändert. Statt durchsichtig zu sein und leicht bläulich zu schimmern, glüht es nun in einem unheimlichen Schwarz. Selbst aus der Entfernung meine ich Nebel in den Brocken zu erkennen, die die Größe meines Kopfes haben. Dunkle Magie. Sie benutzen die Kräfte der Dunkelheit. Das ist wenig überraschend. Dieses seltsame Phänomen zu beobachten, macht mir dennoch Angst. Herrscht plötzlich Stille, weil die Steine Energie in ihre Mitte inhalieren? Benutzen die Soldaten die Magie aus der Maschine, um ihre Kräfte aufzuladen?

      Zeit für meinen Aufbruch. Ich werde nicht warten, bis sie sich auf den Weg machen, um unsere Armee zu vernichten. Ich muss unsere Männer warnen, dass unsere Gegner möglicherweise stärker sind als beim letzten Mal. Und dann müssen wir unsere Übermacht nutzen.

      2. Kapitel

      Neben mir schleicht Manekas in geduckter Haltung vorwärts. Vor uns befindet sich seine Leibwache. Ich habe vorgeschlagen, unseren Fürsten im Basislager zu lassen, um nicht in Gefahr zu geraten, doch er hat sich geweigert. Wir haben einen perfekt koordinierten Plan. Jeder weiß, was er zu tun hat. Manekas will dennoch nicht in Sicherheit auf das Ergebnis dieser Schlacht warten. Ich wünschte, ich könnte ihn vom Gegenteil überzeugen.

      Jetzt bei meiner Rückkehr herrscht unter unseren Feinden nicht mehr die seltsame Stille. Die Spione haben mir bereits vor einigen Minuten verraten, dass sich die Krieger wieder verhalten wie zuvor. Das Lachen und das ungewöhnliche Brummen sind zu hören, mit dem sie kommunizieren. Das sollte die leisen Geräusche dämpfen, die rund um uns die Ankunft unserer Bündnispartner verkünden. Zur Sicherheit murmle ich einen Spruch, der das Knacken der Äste und das Rascheln des Laubes dämpfen soll. Noch habe ich genug Energie, um solche Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Der Rest liegt ohnehin in den Händen der Götter.

      Unsere Armee weiß, was auf sie zukommt. Sie sind darauf eingestellt, den mächtigsten Gegnern gegenüberzustehen, auf die unsere Welt jemals gestoßen ist. Für die Truppen unserer Verbündeten gilt das jedoch nicht. Sie haben noch nicht erlebt, wozu diese gnadenlosen Kämpfer fähig sind. Ich hoffe, sie werden dieser Aufgabe gewachsen sein.

      Ein Kommandant hebt seinen Arm mit einer geschlossenen Hand. Das Zeichen, anzuhalten. Er ist wohl in Sichtweite des Lagers gelangt. Jetzt folgt der schwierige Teil. Unsere Soldaten und die Truppen der anderen Länder sollten inzwischen die Lichtung umzingelt haben. Kein Gegner soll durch unser dichtes Netz entkommen können. Wir dürfen nicht zulassen, dass die anderen Lager unserer Feinde gewarnt werden. Wir müssen alle Männer gleichzeitig überwältigen.

      Der Boden im Lager ist uneben. Durch die Sitzgelegenheiten und die Gegenstände, die überall verteilt sind, wird es schwierig für unsere Männer werden, sich problemlos fortzubewegen. Doch unsere Überzahl sollte dennoch von Vorteil sein. Daran klammere ich mich aus ganzem Herzen. Hinter uns kann ich die Ankunft weiterer Soldaten hören. Langsam wird der Platz zu eng. Wir müssen mit unserem Überfall beginnen, bevor wir uns gegenseitig zerquetschen.

      Manekas nickt einem seiner Männer zu. Der stößt einen schrillen Pfiff aus. Das Zeichen zum Angriff.

      Alle Soldaten in der ersten Reihe erheben sich und brechen durch das Dickicht, in dem sie sich versteckt gehalten haben. Immer noch sind sie unsichtbar. Ich kann es erkennen, weil sie für meine Augen nicht ganz scharf wirken. Jetzt müssen sie die letzten Fuß bis zu den ersten Feinden zurücklegen.

      Unsere Gegner sind überrascht und wissen nicht, was der Lärm bedeutet. Dennoch springen alle auf und ziehen ihre Waffen, als ein Summton ertönt. Es handelt sich wohl um eine Warnung. Auf dem Schlachtfeld haben die Geräusche, die die Kommandanten ausgestoßen haben, ganz anders geklungen.

      An mehreren Stellen erreichen unsere Soldaten die feindlichen Krieger. Ihre Schwerter bohren sich weit genug in die schwarzen Rüstungen, damit sie Schaden anrichten können. Leider gehen doch nur wenige Gegner zu Boden. Blut fließt, stoppt die Überrumpelten allerdings nicht an einem Gegenschlag. Obwohl unsere Soldaten noch unsichtbar sind, gibt das hell leuchtende Blut auf den ebenfalls nicht erkennbaren Schwertern ein gutes Ziel ab.

      Ich schiebe mich ein