Название | Die Brüder von Nazareth |
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Автор произведения | Andreas Flamme |
Жанр | Языкознание |
Серия | |
Издательство | Языкознание |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783903382084 |
Das hatten die Makkabäer16 vor so vielen Jahren geschafft, indem sie die griechischen Eroberer verjagt hatten. Warum sollte nicht auch er das tun? Er hatte die Pflicht …
Als Herodes der Große starb, war Hoffnung aufgekommen. Doch auch damals war der Aufstand gescheitert.
Hat sich Gott wahrhaftig von seinen Kindern abgewandt? Wegen all dieser Sünden …
Der Messias von Israel war verloren, Judas war tot. Nur er allein war geblieben – alle hielten ihn für den Messias von Aaron. Allein durch die Ankunft der beiden Messiasse würden sie sich von den Fremden befreien können. So wie es zwei Säulen am Eingang des Tempels des Salomon gibt – Jachin und Boas. Nur dann würde es einen unabhängigen Staat geben, einen König und einen Hohenpriester.
So steht es in den Büchern.
Es wird ein Stern aus Jakob aufgehen und ein Zepter aus Israel aufkommen.17
Aber auch diese beiden Aufstände waren erfolglos.
So sicher glaubte ich an Judas und an mich selbst … In seinen Träumen ist Gott nicht erschienen. Er hat nicht zu ihm gesprochen. Er hat ihn nicht mit seinem Licht geblendet. Er hatte keine Engel zu ihm geschickt. Er war zu stolz, um zu gestehen, er wäre nicht unter seinen Erwählten, unter seinen Schmeichlern.
Die wahren Messiasse sind anders. Und er hätte sie finden müssen. Einer aus dem Geschlecht des Aaron, der im Tempel Dienst tut, und der andere aus dem Geschlecht des David, sodass er Prinz werde, der Prinz des Lichts.
Jedoch müsste vor ihnen ein Prophet erscheinen, der ihre Ankunft verkündete. Das könnte er sein.
Er hatte die Pflicht, weil er der Lehrer war.
Der Lehrer der Gerechtigkeit!
13 Das Tote Meer.
14 Der erste Teil des Tanach, der hebräischen Bibel. Sie besteht aus fünf Büchern Mose.
15 Biblischer Prophet (6. Jh. v. Chr.).
16 Fünf Brüder mit Judas an der Spitze führten den Aufstand der Juden von 167 bis 160 v. Chr. gegen die syrische Dynastie der Seleukiden.
17 Zahlen 24,17.
7
Ein verhaltenes Plätschern von Wasser war zu hören. Es kam vom Mikwe18, das fast den ganzen Raum einnahm. Am Eingang erhob sich eine Wand aus griechischen Säulen mit einem korinthischen Kapitel aus Marmor und die breiten Stufen begannen unmittelbar dahinter und endeten im Wasser. Der Boden vor der Kolonnade war mit Mosaik bedeckt, die geometrische Figuren und Blumen darstellten. Es war ein Werk von speziell aus Rom gerufenen Meistern.
Neben einer der Säulen stand ein Tisch mit einem großen Teller voller verschiedener Früchte und einer silbernen Schale mit Wasser. Auf dem Stuhl daneben lag ein schneeweißes Tuch.
Ein Mann in seinen besten Jahren schritt langsam durch das Wasser. Er hatte, nach der Mode Caesars, kurz geschnittenes Haar und einen dichten krausen Bart. Er trug eine lange, aus dem feinsten Leinen gewebte Robe mit an den Rändern aufgesetzten purpurnen Schmuckfäden. In der Mitte des Bassins hielt er inne, verschränkte seine Arme vor der Brust, schloss die Augen, tauchte langsam ins Wasser und blieb einige Augenblicke unbeweglich so stehen.
Er erhob sich wiederum, strich sich mit den Handflächen über sein breites Gesicht, von dem in dünnen Strahlen das Wasser abfloss. Mit zur Decke erhobenem Kopf begann er flüsternd ein Gebet. Nachdem er geendet hatte, schüttelte er den Kopf und tausend kleine Wassertropfen zerstreuten sich um ihn aus seinen nassen Haaren. Gemächlich trat er zur Treppe.
Aufmerksam betrat er einzeln jede der sieben Stufen, bis er das Bassin verlassen hatte. Die an seinem Körper klebende Kleidung unterstrich seine nicht besonders athletische Figur mit dem ausgeprägten dicken Bauch.
Der Mann trat zum Stuhl, nahm das Tuch, wischte sich das Gesicht ab und schlang es sich um den Hals, ging zum Tisch und tauchte seine Handflächen in die silberne Schale, schüttelte sie kurz und griff zum Früchteteller. Er nahm von den dunkelblauen Weintrauben und steckte eine Traube nach der anderen in den Mund.
Hannas ben Seth, oder einfach Annas, wie ihn die Bewohner von Jerusalem nannten, war seit fast zwei Jahren Hoher Tempelpriester. Er war vom Statthalter Syriens Quirinius ernannt worden, als Kaiser Augustus beschloss, Judäa zu einer römischen Provinz auszurufen.
Doch Annas erhielt den Posten nicht geschenkt. Er hatte mit aller Kraft und allen Mitteln darum gekämpft, das grundlegende Hindernis – Herodes Archelaos, den ältesten Sohn und Erbe von Herodes dem Großen – zu beseitigen. Archelaos wollte die Macht nicht mit seinen Brüdern teilen, aber Kaiser Augustus entschied anders. Er teilte das Land und ernannte Archelaos zum Ethnarch, indem er ihm die Macht über Judäa, Edom und Samarien erteilte.
Annas brauchte sich in seiner Mission nicht allzu sehr anzustrengen.
Herodes Archelaos war dermaßen geizig, grausam und dumm, sodass es eine Leichtigkeit war. Um die protestierende Menge zu besänftigen, ließ er die Gefangenen frei und versprach, die Steuern zu senken, doch hob er die Anordnungen nach dem Tod von Herodes dem Großen auf und schlug den Aufstand der Pharisäer brutal nieder, indem er befahl, Tausende von ihnen in Jerusalem zu töten.
Ständig wurden die Hohepriester des Tempels ausgewechselt und er verjagte zum Schluss seine Frau Mariamne, um Glaphyra zu nehmen – die Frau seines früher hingerichteten Bruders Alexander, die damals noch mit Juba II. verheiratet war, dem König von Mauretanien, was das Gesetz von Moses nicht erlaubte.
So brachte er alle großen Persönlichkeiten und Priester gegen sich auf, doch ohne sie hätte er nicht mehr weiter regieren können. Sie schickten Kuriere zu Caesar, der nicht zögerte, ihn zu verurteilen und nach Gallien zu verbannen und all seine Titel und Besitz zu entziehen.
Eigentlich verdankte Annas nicht so sehr dem ehemaligen Konsul Quirinius seinen Posten als Coponius – dem römischen Präfekten, der nach Judäa geschickt worden war und dem Statthalter von Syrien untergeordnet war, doch tatsächlich hatte er die Macht in Judäa und Jerusalem. Nur er hatte das Recht, zu begnadigen oder jemanden im Namen von Caesar zum Tode zu verurteilen.
Annas hatte es geschafft, alle Anwärter aus den übrigen drei wohlhabenden priesterlichen Familien auf den Posten auszustechen und die Gunst des neuen Herrschers Roms zu erwerben. Er war auch bei ihm geblieben, nachdem der Aufständische Judas in Galiläa die Revolte wegen der von Rom angeordneten Volkszählung angezettelt hatte. Der Aufstand war niedergeschlagen worden und die Sachen schienen sich beruhigt zu haben. Aber Annas kannte seine Landsleute bestens und wusste, dass jeder kleinste Funke neuen Widerwillen entzünden würde.
„Vater!“
Ein Knabe stürzte mit vor Aufregung heißen Wangen ins Bad. Er atmete schwer und hastig. Offenbar war er auf dem Weg ins Bad gerannt. Es war ein kleiner Junge, nicht einmal einen Anflug eines Bartes hatte er.
„Was ist los, Eleazar? Man kann ja nicht einmal in Ruhe baden. Gut, dass du mich nicht im Bassin angetroffen hast, du weißt, wie streng die Anforderungen des Hohenpriesters zur Reinhaltung der Rituale sind. Jene teuflischen Pharisäer warten nur darauf, dass ich irgendeine Regel nicht einhalte, und schicken sofort eine Beschwerde hinauf.“
Der Jüngling hielt an und senkte ergeben den Kopf. „Verzeih mir, Vater, aber ich habe Neuigkeiten. Ich habe mit dem Kapitän der Tempelwache gesprochen …“
„Warte,