Der Anfang vom Rest des Lebens. Dominique Haring

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Название Der Anfang vom Rest des Lebens
Автор произведения Dominique Haring
Жанр Языкознание
Серия
Издательство Языкознание
Год выпуска 0
isbn 9783991311546



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gehabt, oder was ist dir über die Leber gelaufen?«

      »Nein, eigentlich nicht. Habe den Auftrag für die Werbekampagne für das neue Shampoo bekommen«, teilte Isabell selbstbewusst und stolz mit und prompt veränderte sich ihre Stimmung.

      »Bitte entschuldige. Ich habe schlecht geschlafen und irgendwie war der Tag dann einfach nur anstrengend. Lass uns essen! Es sieht wie immer sehr lecker aus.«

      »Entschuldigung angenommen. Bon Appetit!«

      »Dir auch, Nick.«

      An diesem Abend gingen Isabell und Nick zwar zur gleichen Zeit schlafen, aber nicht gemeinsam. Jeder kauerte auf seiner Seite des Bettes, bis jeder für sich eingeschlafen war.

      Mit gemeinsamer Zweisamkeit war es auch nicht mehr das Wahre und es kam immer öfters vor, dass im Bett Funkstille herrschte. An manchen Tagen war Isabell froh und erleichtert, wenn Nick keine Anstalten machte, die in irgendeiner Form nur in Richtung Sex gehen könnten. Die ganzen Versuche, immer schwanger zu werden, waren irgendwann zu einer Pflichtübung geworden und hatten nichts mehr mit einem erfüllten Sexleben zu tun, bei dem jeder auf seine Kosten kommt.

      Früher war das anders. Sie konnten die Finger nicht voneinander lassen. An manchen Abenden hatten Isabell und Nick kaum die Haustür geschlossen, da lagen sie nackt im Hausflur. Wie oft hatten sie Angst, dass die Nachbarn sie dabei beobachteten, weil sie im Eifer des Gefechts oft erst viel zu spät an das Zuziehen der Gardinen gedacht haben. Aber früher oder später war der Punkt in einer Beziehung erreicht, wo es einfach nicht mehr so ist wie am Anfang und der Alltag schlich sich ein. Ganz langsam, still und heimlich. Es war doch ein ganz normaler Prozess in einer Beziehung und Ehe. Das Verlangen nacheinander lässt einfach nach mit der Zeit. Zumindest versuchte sich Isabell dies einzureden.

      Jedoch ertappte Isabell ihr Herz dabei, wie es in den letzten Monaten des Öfteren immer wieder dieselben Fragen stellte.

      »Warum fühle ich eine Leere, wo keine sein dürfte? Warum fühle ich mich so schwer? War das alles? Muss da nicht noch mehr kommen?«

      Isabell wurde durch ein paar Sonnenstrahlen geweckt, die durchs Fenster fielen. Langsam öffnete sie ihre Augen. Irgendwas stimmte nicht und Isabell suchte den Grund für ihre Annahme. Sie überlegte und runzelte die Stirn dabei.

      »Seit wann ist es so früh morgens schon so hell?«

      Mit einem Ruck saß sie senkrecht im Bett …

      »Scheiße!!! Verschlafen«, fluchte sie laut und weckte damit natürlich auch sofort Nick, der gehofft hatte, endlich mal ausschlafen zu können.

      Es war zwar Samstag, aber Isabell war mit ihrer besten Freundin Eve zum Shoppen in Preston verabredet. Sie wollten sich um elf Uhr zum späten Frühstück treffen, bevor es in die Stadt ging. Isabell schaute auf ihren Wecker auf dem Nachttisch.

      »Scheiße, schon kurz nach zehn!!«, fluchte sie wieder.

      »Jetzt aber schnell, Eve wird mich umbringen!«

      »Oh Mann, Issi. Geht das auch leise? Ich kann endlich mal ausschlafen!«

      Nick drehte sich sichtlich verärgert auf die andere Seite und stülpte sich das Kopfkissen über seinen Kopf. Schnell verschwand Isabell im Badezimmer. Sie legte den Turbo ein. Sie war selber überrascht, dass sie innerhalb von fünfundzwanzig Minuten fertig gewaschen, geschminkt, frisiert und angezogen unten im Hausflur stand.

      Zum Erstaunen von Isabell fehlte noch jede Spur von Eve, als sie beim verabredeten Treffpunkt an der Ecke der Boutique A Rosa eintraf. Isabell schaute auf ihr Handy. Eve hatte bereits eine Nachricht geschrieben.

      10:56

      »Sorry Liebes, heute musst du warten. Ich steh im Stau. Und das an einem Samstag!!! «

      Isabell antworte sofort.

      11:01

      » Dabei war ich total pünktlich! Wie lang brauchst du noch?«

      11:03

      »5 Minuten!!«

      11:03

      »Ok. Ich warte. «

      11.04

      »Sehr gütig von dir!!!!«

      Isabell schaute etwas ungeduldig auf die Uhr und bemerkte dabei, dass sie leicht fror. Für Ende September war es wirklich schon sehr frisch, stellte Isabell fest. Im Auto hatte sie das gar nicht richtig wahrgenommen. Zum Glück hatte sich Isabell in der morgendlichen Hektik für ihren dickeren grauen Mantel und einen passenden Schal entschieden.

      Auf Eve warten zu müssen, war für Isabell eine ungewöhnliche Situation. Isabell musste auf einmal daran denken, wie sie Eve kennengelernt hat.

      Es war Peters dreißigster Geburtstag und somit ein guter Anlass für eine ausgelassene Geburtstagsparty. Das war vor sechs Jahren. Isabell war zu dem Zeitpunkt frisch mit Nick verlobt und todunglücklich, dass er an diesem Abend keine Zeit hatte, mitzukommen. Aber das Geschäft ging leider manchmal vor. Isabell hasste es, irgendwohin alleine gehen zu müssen. Normalerweise sagte sie eine Einladung dann lieber ab. Aber da sie es Peter versprochen hatte, blieb ihr keine Wahl.

      Eve, eine Galeristin aus Preston, war eine enge Freundin von Clarissa, Peters damaliger Frau. Sie kam auch alleine. Aber nicht, weil ihr Mann verhindert war, sondern weil sie sich auf der Suche nach einer kleinen Eroberung befand. Zu dieser Zeit war Eve bereits ein überzeugter Single, der nichts anbrennen ließ. Zu ihrem Glück war auch Alex der Einladung gefolgt. So hatten sich schnell zwei gefunden, die lediglich ein wenig Spaß haben wollten und sich die Zeit zusammen vertrieben.

      Das erste Aufeinandertreffen von Eve und Isabell war doch sehr ungewöhnlich und so wie es anfing, war das Ende für alle sehr überraschend. Beide sahen sich auf der Party das erste Mal und sie konnten sich auf Anhieb nicht riechen. Eve dachte, dass Isabell nur eine blöde Nuss wäre, die hinter dem Mann ihrer Freundin her war und Isabell dachte von Eve noch was viel Schlimmeres. Arrogantes Großstadtflittchen waren an dem Abend ihre genauen Worte, als Eve Isabell anrempelte, als sie aus einem Zimmer in den Flur stolperte, indem sie augenscheinlich gerade noch mit Alex zugange gewesen war. Ihre mittellangen, nicht ganz bis zu den Schultern reichenden schwarzen Haare waren total zerzaust und Eve war gerade damit beschäftigt, ihre Bluse und den Rock wieder in Ordnung zu bringen, als sie direkt in Isabell lief. Nachdem Eve sie für diesen Kommentar mit ihrem eigenem Glas Weißwein übergoss, schauten die beiden sich einen Moment lang an. Alle anderen Partygäste waren wie erstarrt. Keiner traute sich etwas zu sagen oder dazwischenzugehen. Alle warteten auf Isabells Reaktion. Doch zum großen Erstaunen aller hielten beide inne und fingen plötzlich so laut und herzhaft an zu lachen, dass alle die Welt nicht mehr verstanden. Aber am wenigsten Eve und Isabell. Nach ein paar Gläsern Wein und einem ausgewogenen, etwas betrunkenen Kennenlerngespräch merkten beide, dass sie sich sehr ähnlich waren. Natürlich abgesehen von ihrer gewählten Lebenssituation!

      Seit diesem Abend waren beide unzertrennlich. Mindestens alle zwei Woche trafen die beiden sich zum Frühstück mit anschließender Shoppingtour. Die einzigen drei Monate, in denen diese gemeinsame Leidenschaft nicht ausgelebt wurde, waren die Monate nach der Geburt von Eves Tochter Cathleen. Der ganze Stolz der überzeugten Single-Frau. Cathleen war jetzt drei Jahre alt und wirklich eines der süßesten kleinen Mädchen, die Isabell kannte. Sie war so stolz, als Eve sie als Patentante aussuchte, dass sie vor Glück die ganze Welt umarmen hätte können. Isabell war zwar schon ein paar Jahre zuvor die Patentante von Sophie geworden, aber zu Cathleen hatte sie von Beginn an ein viel engeres und stärkeres Band. Cathleen war wie ihre eigene Tochter. Eve hatte es nicht geplant. Sie wurde im Urlaub bei einem One-Night-Stand schwanger. Zu dem Vater von Cathleen hatte Eve nie versucht, Kontakt aufzunehmen. Und auch wenn ein Kind nicht in Eves Lebensplanung gehörte, musste sie nicht einen Moment über einen Abbruch nachdenken. Als sie von der Schwangerschaft erfuhr, war sie dennoch zutiefst geschockt. Tagelang meldete sie