Название | Der Anfang vom Rest des Lebens |
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Автор произведения | Dominique Haring |
Жанр | Языкознание |
Серия | |
Издательство | Языкознание |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783991311546 |
Acht Jahre arbeiteten Isabell und Peter jetzt schon zusammen. Sie hatten die Firma aus dem Nichts aufgebaut. Beide kannten sich noch von früher. Sie gingen zusammen zur Schule, aber hatten sich dann nach dem Abschluss aus den Augen verloren. Doch wie der Zufall es so wollte, trafen sie sich nach dem College-Ende wieder. Sie verstanden sich, als wenn nie ein Tag vergangen war. Beide waren nach dem College in der Werbung tätig, aber beide mit ihrem Arbeitgeber unglücklich. Also beschlossen sie, sich gemeinsam selbstständig zu machen und eine eigene Agentur zu gründen. Ein wirkliches Startkapital konnten beide nicht vorweisen und einen Kredit aufnehmen wollten Isabell und Peter nicht. Deshalb beschlossen sie, noch einen finanzstarken Dritten ins Geschäft mit aufzunehmen. Da kam Alex, der gutaussehende Amerikaner, der das nötige Kleingeld aus einer Erbschaft hatte, genau richtig. Sie lernten Alex auf einer Werbetour kennen. Die Chemie passte und Alex war auf der Suche nach einem Investment. Wie sich später rausstellte, sollte die Kundenakquise wie für ihn gemacht sein.
»Ach, du Armer«, sagte Isabell ein wenig neidisch.
Sie und Nick versuchten es jetzt schon so lange, ein Baby zu bekommen. Doch bisher ohne Erfolg. Zweimal wurde Isabell schon schwanger, aber beide Male verlor sie das Baby innerhalb der ersten drei Monate. Das zehrte an ihren und Nicks Nerven. Rein körperlich brachten beide beste Voraussetzungen mit. Auch die Ärzte konnte keine Ursache finden, warum es nicht funktionierte und warum Isabell die Babys verlor.
»Die Kinder werden krank gewesen sein und haben es deshalb nicht geschafft«, wurde ihnen damals im Krankenhaus gesagt.
Manchmal dachte Isabell, dass es einfach nicht sein sollte. Sie und Nick waren vielleicht einfach nicht dazu bestimmt, Eltern zu werden und Kinder zu bekommen. Diese Gedanken fielen so schwer, da es immer Isabells größter Wunsch war, eine eigene Familie zu haben, weil sie selber nicht in den Genuss kam, ihre Mutter kennenlernen zu dürfen und ihr Vater zu früh von dieser Erde ging. Sie vermisste ihn jeden Tag.
»Was haben die beiden wieder angestellt?«, fragte Isabell neugierig.
Peter schaute Isabell an und schüttelte den Kopf.
»Sie sind jetzt sieben und acht Jahre alt. John macht nur Blödsinn in der Schule. Er passt nicht auf und ärgert oft die anderen Kinder. Ich muss alle paar Wochen bei der Direktorin antanzen. Und er ist erst acht Jahre alt. Wo soll das nur enden? Auch wenn beide nicht in der gleichen Klasse sind und Sophie von Johns schulischen Aktivitäten nur indirekt was mitbekommt, mache ich mir derzeit noch mehr Sorgen um sie als um John. Sie ist so verschlossen. Sie wirkt andauernd traurig. Ich glaube, sie vermisst ihre Mutter momentan sehr. Clarissa hat sich schon wieder seit vier Wochen nicht blicken lassen.«
»Das tut mir leid, Peter. Das hört sich so an, als wenn Sophie mal wieder ein bisschen mehr Zeit mit ihrer Patentante verbringen sollte. Vielleicht hilft ein gemeinsamer Ausflug unter Frauen. Was meinst du?«
»Das ist eine tolle Idee und wirklich lieb von dir. Du hast einen guten Draht zu ihr.«
»Das mach ich gerne für dich und vor allem für mein Patenkind.«
Isabell nahm ihren Kaffee und verschwand im Besprechungsraum, wo sie auf ihren Kunden wartete. Dieser kam natürlich noch eine ganze halbe Stunde später als angekündigt.
»Na toll«, dachte Isabell, »Da hätte ich noch locker eine Stunde länger im Bett bleiben können.«
Die Präsentation lief sehr gut und der Kunde, Maxwell Lake, war begeistert.
Maxwell Lake war ein mittelgroßer, blondgrauer, in die Jahre gekommener Mann, der Isabell bei jedem Meeting mit einem neuen Outfit verblüffte. Er war circa sechzig Jahre alt und immer penibel ordentlich gekleidet. Allerdings entsprach sein Kleidungsstil eher einer dreißig Jahre jüngeren Version von sich. Isabell nahm an, dass er so versuchte, neben seinem Ehemann, der erst Anfang dreißig war, seine optisch erkennbare Lebenserfahrung zu retuschieren.
Maxwell Lake war mit dem Ergebnis mehr als zufrieden und positiv überrascht, wie innovativ doch Shampoo-Werbung aussehen kann. Bei den zahlreichen bereits fest etablierten Shampoo-Sorten mit einem neuen Shampoo auf den Markt zu gehen, würde nicht einfach werden. Schließlich ist Shampoo nun einmal Shampoo und kein neues Produkt, auf das die Welt gewartet hat. Um einen Teil vom Kuchen abzubekommen und sich einen Namen zu machen, musste die Werbung für das Produkt provokant sein und sich in die Köpfe der Kunden in spe brennen. Isabell und Mr. Lake waren der festen Ansicht, dass diese Werbekampagne ein voller Erfolg werden würde. Eine Kombination aus Fernseh- und Plakatwerbung mit einer frechen Verpackung würde in erster Linie die Neugier wecken und zum Kauf animieren. Nach dem Kauf mussten das Produkt und seine Wirkung überzeugen. Und das würde es, wenn es das hielt, was es versprach. Direkt nach der ersten Anwendung sollte Frau den Unterschied merken. Durch die spezielle Zusammensetzung verschiedener Erdmineralien und Fructose wird das beanspruchte Haar sofort repariert. Eine Spülung ist nicht mehr nötig zur weiteren Pflege und das Haar riecht und sieht ganze vier Tage so aus wie frisch gewaschen.
Der Auftrag war im Vergleich eher klein, aber auch dieser bedeutete einige Tausender Umsatz.
Kapitel 2
Als Isabell endlich nach einem langen Tag im Büro in ihre Einfahrt zu Hause einbog, konnte sie schon Nick in der Küche stehen sehen. Sie stellte den Motor ab und hielt kurz inne. Sie fing an, ihren Mann zu beobachten. Nick stand mit dem Rücken zum Fenster. Die Ärmel von seinem blauen Jeanshemd hatte er auf beiden Seiten hochgekrempelt. Seine schnellen Bewegungen zwischen den Küchenschränken, dem Kühlschrank und dem Herd ließen vermuten, dass Nick dabei war, Abendessen zu kochen. Zum Glück musste sich Isabell abends nicht auch noch ums Essen kümmern, wenn Nick zu Hause und nicht gerade auf Geschäftsreise war. Nick übernahm diese Aufgabe sehr gern. Er war meistens früher als sie zu Hause und, was das Kochen angeht, definitiv talentierter. Isabell konnte zwar auch etwas Essbares auf den Tisch bringen, aber die Zubereitung dauerte immer viel zu lang und die Küche sah später aus, als wäre eine Bombe explodiert. Aus dem Grund verzichtete Nick immer freiwillig auf die Kochkünste seiner Frau und machte das Essen dann lieber selber.
Kaum war Isabell zur Tür herein, rief Nick aus der Küche: »Hey Issi, du kannst dich schon setzen. Essen ist fast fertig.«
»Hey Nick«, erwiderte Isabell. Dann zog sie ihre Pumps und ihren blauen Strickmantel aus, stellte ihre Handtasche und die Präsentationsmappe auf den Boden vor die Garderobe im Flur und ging in die Küche. Sie begrüßte Nick mit einem flüchtigen Kuss auf den Mund und setzte sich an den bereits fertig gedeckten Esszimmertisch in der Küche. Sie schaute sich den gedeckten Tisch an und überlegte, wann sie das letzte Mal einen richtig romantischen Abend zusammen hatten. Gefühlt war es schon eine Ewigkeit her. Jahrelang war es ein festes Ritual, dass Nick einmal im Monat Isabell mit einem romantischen Abendessen überraschte. Zur Begrüßung stießen Isabell und Nick dann immer mit einem Glas Prosecco an. Dann führte Nick Isabell zu ihrem Platz und Nick verwöhnte Isabell mit einem Drei-Gänge-Menü mit einem dazu passenden Wein. Der Tisch wurde von Nick liebevoll mit ein paar Rosen und Kerzen eingedeckt. Im Hintergrund spielte leise gefühlvolle Piano-Musik, z. B. von Frank Sinatra, und während des gesamten Abendessens schauten sich beide tief in die Augen. An dem Abend waren Handys streng verboten.
Isabell ließ den Blick vom Tisch zu Nick gleiten und seufzte kaum hörbar.
»Wo war der gutaussehende, so aufmerksame Romantiker von früher nur geblieben?«
Isabell versuchte sich einzureden, dass es einfach ganz normal sei, dass sich ein Eheleben nun einmal irgendwann anders anfühlen musste als die rosa Wolke, auf der man am Anfang einer Beziehung flog. Nach ein paar Jahren schaute man sich anders an und vielleicht hatte auch der unerfüllte Kinderwunsch und der damit verbundene Stress dazu beigetragen, dass die Romantik ein wenig verloren gegangen war.
»Willst du ein Glas Wein zum Essen?«, fragte Nick.
»Blöde Frage. Wie immer!«, antwortete Isabell etwas schnippisch.
Kurz darauf servierte Nick das Essen mit zwei Gläsern Rotwein.
»Auch