Der Anfang vom Rest des Lebens. Dominique Haring

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Название Der Anfang vom Rest des Lebens
Автор произведения Dominique Haring
Жанр Языкознание
Серия
Издательство Языкознание
Год выпуска 0
isbn 9783991311546



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      Keine dreißig Sekunden vergingen und Isabell konnte schon sehen, dass Eve ihr zurückschrieb.

      16:13

      »Hi meine Liebe. Ich bin leider immer noch total krank und schlafe eigentlich nur die ganze Zeit. Cathleen ist bis morgen früh noch bei meinen Eltern und ich bin froh, wenn ich mich in Ruhe erholen kann. Ich weiß nicht, was Cathleen hier wieder angeschleppt hat. Sie war in der letzten Woche so krank mit starkem Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen. Und jetzt habe ich es voll abbekommen! Wir können das gerne für nächstes Wochenende in Angriff nehmen, da bin ich bestimmt wieder fit.«

      16:15

      »Ach Menno. So ein Pech aber auch. Hatte gehofft, dass es Dir schon besser geht. Schade! Na, dann gute Besserung und melde Dich, wenn Du wieder fit bist. Kuss an mein Patenkind, die ich übrigens auch schon gefühlt ewig nicht mehr gesehen habe «

      16:17

      »Sorry. War so viel los! Holen wir bald nach! Versprochen«

      Das hieß, dass es Eve echt schlecht gehen musste. Normalerweise hätte Isabell sich einen dummen Kommentar hierzu anhören dürfen.

      »Und was mach ich jetzt so alleine? Was bestellen oder Dinner for One kochen?«, überlegte Isabell.

      Isabell beschloss, einkaufen zu gehen und nach langer Pause mal wieder richtig zu kochen, auch wenn es nur für sie sein sollte.

      Isabell setzte sich in ihren Austin Healey und fuhr zu dem einzigen Supermarkt in Fleetwood, der am späten Samstagnachmittag noch geöffnet hatte. Im Laden angekommen schnappte sich Isabell einen kleinen Tragekorb direkt an der Tür und ging zielstrebig in die Obst- und Gemüseabteilung. Eine frische Zucchini hier sowie frische Tomaten und Auberginen da. Alles, was sie gerne aß und sie mit einer leckeren Pasta kombinieren konnte, landete im Einkaufskorb. Eine Packung bunte Tagliatelle und ein halbes Kilo frische Garnelen und ruck zuck war ihr Einkaufskorb voll. Isabell überlegte, ob noch irgendetwas fehlte.

      »Wein? Ich brauche noch Wein!«

      Isabell ging zum Weinregal und suchte sich zwei Flaschen von ihrem Lieblingswein aus. Als sie die zweite Flasche Wein gerade in den Korb gelegt hatte, klingelte ihr Handy. Nach einer gefühlten Ewigkeit des Suchens fiel Isabell ein, dass sie ihr Handy nicht in der Handtasche, sondern in ihrer Manteltasche hatte. Sie sah auf dem Display ihres Handys Nicks Nummer aufleuchten. Isabell überlegte, ob sie überhaupt ans Telefon gehen sollte. Nach dieser beschissenen Nachricht von Nick wollte sie eigentlich erst einmal nicht mit ihm sprechen. Also drückte sie ihn kurzerhand weg und steckte das Handy zurück in die Manteltasche. Dann klingelte ihr Handy erneut und wieder war Nicks Nummer auf dem Display zu sehen. Isabell verdrehte die Augen, entschloss sich aber dieses Mal, ranzugehen. Jetzt war sie neugierig, was Nick zu sagen hatte.

      »Nick! Was willst du? Ich bin gerade einkaufen und habe eigentlich gar keine Lust, mit dir zu sprechen.«

      Am Ende der anderen Leitung war eine Männerstimme zu hören, aber es war nicht die von Nick.

      »Hallo? Ist da Isabell Johnson?«

      »Ja, am Apparat. Aber wer sind Sie und warum rufen Sie mich von dem Telefon meines Mannes an?«

      »Mein Name ist Dr. Smith. Ich arbeite am Blackpool Victoria Hospital. Es geht um Ihren Mann. Hören Sie mir zu, Mrs. Johnson?«, fragte die fremde Stimme.

      Isabell stand regungslos vor dem Weinregal und lauschte der Stimme am Telefon.

      »Ja«, antwortete Isabell.

      Mehr brachte sie nicht heraus. Was war los? Was war passiert?

      »Ihr Mann hatte einen schweren Herzinfarkt. Wir haben ihn versorgt und er liegt jetzt auf der Intensivstation bei uns. Aber es sieht nicht gut aus. Er verliert immer wieder das Bewusstsein. Haben Sie die Möglichkeit, schnellstmöglich zu kommen?«

      Isabell antwortete nur wieder mit einem gebrechlichem: »Ja. Ich bin gleich da.«

      Mit fürsorglichem, väterlichem Tonfall sagte die Stimme: »Fahren Sie bitte vorsichtig, Mrs. Johnson!«

      Isabell legte auf. Sie hatte die Worte gehört und auch verstanden, aber sie verstand nicht, was die Stimme ihr versucht hatte zu erklären.

      »Nick schafft es vielleicht nicht? Es sieht nicht gut aus?«, kam leise über ihre Lippen. Sie begann zu zittern und ihr wurde schwarz vor Augen. Sie verlor für einen kurzen Moment das Gleichgewicht und ließ den Einkaufskorb zu Boden fallen. Ein lautes Klirren war im ganzen Markt zu hören. Die beiden Weinflaschen zersprangen in viele kleine Glasscherben, die sich überall auf dem Boden verteilten. Eine Verkäuferin schaute in den Gang und kam auf Isabell mit hoch gerissenen Armen zu gelaufen.

      »Wie sieht es denn hier aus? Was ist denn passiert?«

      Nachdem der Blick der Verkäuferin vom Boden auf Isabell fiel, schwang ihre Aufgeregtheit in Sorge um. Isabell hielt sich mit einer Hand am Regal fest und reagierte gar nicht auf die Verkäuferin.

      »Geht es Ihnen gut? Kann ich helfen?«

      Isabell hob den Kopf und schüttelte diesen nur langsam und antwortete: »Ich muss ins Krankenhaus. Ich muss sofort ins Krankenhaus. Mein Mann! Ich muss ins Krankenhaus.«

      Isabell wühlte hektisch in ihrer Handtasche und zog einen 20-Pfund-Schein hervor und drückte der Verkäuferin diesen in die Hand.

      »Ich hoffe, das reicht für die Weinflaschen. Bitte entschuldigen Sie das Chaos!«

      Kaum gesagt, war Isabell schon fast an der Ausgangstür.

      Isabell nahm den schnellsten Weg, den sie kannte, in Richtung Krankenhaus. Die Tränen liefen ihr über beide Wangen und sie versuchte, sich auf die Straße zu konzentrieren und sich zusammenzureißen. Aber so sehr sie es auch versuchte, konnte sie es nicht. Sie war am ganzen Körper am Zittern und ihre Gedanken waren nur bei Nick.

      »Was hatte er an, als er ging?

      Wann habe ich ihn überhaupt das letzte Mal gesehen? War das heute Morgen oder gestern Abend?

      Ich weiß es nicht mehr.

      Was habe ich ihm das letzte Mal gesagt?

      Was hat er mir gesagt?

      Was ist passiert?

      Wo war er?

      Was ist nur passiert?

      Hat er sich über mich aufgeregt?

      Über meine letzte SMS?

      Bin ich etwa schuld?

      Oh nein, ich bin schuld!

      Oh nein. Nick, es tut mir leid. Das wollte ich nicht.«

      Isabell fuhr viel zu schnell, als sie in die Zufahrtstraße zum Krankenhaus abbog. Nur mit einer Vollbremsung und quietschenden Reifen kam sie gerade noch hinter dem Krankenwagen zum Stehen, der vor der Notaufnahme parkte. Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob sie dort überhaupt stehenbleiben dürfte, stürzte Isabell aus dem Wagen, durch zwei große Schiebetüren, die sich automatisch öffneten, in Richtung Aufnahme. Am Tresen stand eine Krankenschwester, die sich sofort der suchenden und sichtlich aufgelösten Isabell annahm und sie ansprach.

      »Kann ich Ihnen helfen, Miss? Sind Sie verletzt?«, fragte die Krankenschwester sorgend und trat vor den Tresen zu Isabell.

      »Wo ist mein Mann? Ich muss zu meinem Mann!«

      Die Schwester versuchte, die hilflos wirkende Isabell zu beruhigen und fragte weiter.

      »Miss, wie heißt Ihr Mann? Ich versuche, ihn zu finden? Wie heißt Ihr Mann, Miss?«

      »Nick. Nick Johnson!«

      Als die Krankenschwester den Namen hörte, veränderte sich ihr Blick und sie schaute plötzlich bestürzt.