Название | Der Anfang vom Rest des Lebens |
---|---|
Автор произведения | Dominique Haring |
Жанр | Языкознание |
Серия | |
Издательство | Языкознание |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783991311546 |
»OK«, sagte Isabell und versuchte, sich selber zu beruhigen.
Die Krankenschwester führte Isabell zu einer Sitzbank, die neben dem Tresen stand.
»Kommen Sie! Setzen Sie sich so lange und versuchen, ein wenig durchzuatmen.«
Ohne Isabell von der Seite zu weichen, gab sie gleichzeitig einer Kollegin, die am anderen Ende des Korridors stand, ein hastiges Handzeichen. Die andere Krankenschwester reagierte sofort und kam zu den beiden gelaufen. Als sie eintraf, gab die bei Isabell wartende Krankenschwester der anderen leise eine Instruktion.
»Hol schnell Dr. Smith. Das ist der eingelieferte Herzinfarkt vorhin. Sag, dass seine Frau hier ist.«
Nach wenigen Minuten eilte ein älterer Arzt auf Isabell zu. Als Isabell ihn sah, stand sie zügig auf und schaute ihn erwartungsvoll an.
»Mrs. Johnson?«
»Ja, das bin ich! Was ist mit meinem Mann? Wo ist er? Wie geht es ihm?«
»Mein Name ist Dr. Smith. Ich habe mich um Ihren Mann gekümmert, als er vor wenigen Stunden eingeliefert wurde.«
Dr. Smith machte ein Handzeichen in Richtung der Sitzbank und forderte Isabell auf, sich mit ihm hinzusetzen. Isabell folgte seiner Aufforderung und schaute ihn ungeduldig an.
»Mrs. Johnson. Wie ich Ihnen bereits am Telefon mitgeteilt habe, wurde Ihr Mann mit einem schweren Herzinfarkt eingeliefert. Er hat gekämpft und wir konnten ihn vorerst stabilisieren. Dann habe ich Sie angerufen.«
»Und jetzt?«, fragte Isabell, »Kann ich zu ihm?«
Der Arzt atmete tief durch und es fiel ihm erkennbar schwer, was er zu sagen hatte. Er legte seine Hand auf Isabells und fuhr fort.
»Mrs. Johnson. Es tut mir leid! Es tut mir wirklich unendlich leid. Er hat es nicht geschafft.«
Isabell schüttelte den Kopf und verstand nicht, was der Arzt ihr da gerade versuchte zu sagen.
»Was heißt nicht geschafft? Sie sagten doch, dass er stabil ist.«
»Das war er auch, vorerst. Ich habe Ihnen am Telefon gesagt, dass es nicht gut aussieht. Man kann nie wissen, was für Schäden ein solch schwerer Infarkt an sich schon mit sich bringt. Und dann nach unserem Telefonat erlitt er einen erneuten Herzinfarkt. Wir konnten nichts mehr für ihn tun. Er ist vor fünfzehn Minuten verstorben.«
»Was? … Nick ist tot?«, die Worte kamen nur sehr langsam über ihre Lippen. Ihre Stimme versagte bei dem erneuten Ausspruch. »Nick … ist tot?«
Die Tränen schossen ihr in die Augen und sie begann erneut, am ganzen Körper zu zittern.
»Mrs. Johnson. Ich weiß, was das für eine schlimme Nachricht ist. Sie brauchen Zeit, um das erst einmal zu verarbeiten. Kann ich jemanden anrufen, der Sie abholt und sich in den nächsten Stunden um Sie kümmern kann?«
Rückartig stand Isabell auf und blickte sich suchend um.
»Ich will zu ihm. Ich will zu meinem Mann.«
Dr. Smith legte Isabell behutsam die Hand auf die Schulter und drückte sie ganz leicht wieder auf den Stuhl zurück.
»Mrs. Johnson. Sie können jederzeit zu Ihrem Mann. Aber jetzt sollten Sie sich erst einmal ausruhen. Wen kann ich anrufen für Sie?«
Isabell zog wortlos ihr Handy aus der Tasche und blätterte den Kontakt von Eve auf und legte es Dr. Smith in die Hand. Dann merkte Isabell nur noch, wie alles um sie herum auf einmal schwarz wurde und sie in sich zusammenbrach. Die Stimmen um sie herum wurden immer verzerrter und verstummten nach und nach.
Isabell kam langsam wieder zu sich. Sie lag in einem Bett und spürte einen warmen Händedruck.
»Isabell. Ich bin es. Ich bin hier.«
Isabell erkannte Eves Stimme, noch bevor sie Eves Gesicht sah.
»Eve? Wo bin ich?«
»Im Krankenhaus! Dr. Smith hat mich angerufen.«
Sofort schossen die Tränen wieder in Isabells Augen.
»Oh mein Gott!!! Es ist wahr? Nick ist tot???«
Eve nahm ihre Freundin fest in den Arm und fing ebenfalls an zu weinen.
»Ja. Es tut mir so leid!! Er ist tot!«
Eine ganze Weile lagen sich Eve und Isabell in den Armen und weinten, bis irgendwann Isabell die Umarmung löste und sich die Tränen aus dem Gesicht wischte.
»Ich will zu ihm!«, sagte sie dann bestimmend.
»Nein, Isabell. Nicht mehr heute! Du bist erschöpft und musst er einmal wieder zu dir kommen. Ich nehme dich jetzt erst einmal mit nach Hause. Morgen kommen wir wieder und dann gehen wir zu ihm.«
Eve schaute Isabell an und wartete auf eine Geste der Zustimmung. Es dauerte einen Moment, aber dann nickte Isabell und Eve nahm ihre Freundin erneut in den Arm. Dann half sie ihr aufzustehen und sie verließen das Krankenhaus.
Isabell wurde von mehreren aufeinanderfolgenden Niesern wach und hörte dann eine Tür ins Schloss fallen. Langsam schlug Isabell die Augen auf. Sie wusste nicht sofort, wo sie war. Dann stieg ihr ein bekannter Geruch in der Nase. Sie blickte neben sich und sah Cathleen. Cathleen lag eingerollt wie ein kleines Würmchen neben ihr, mit ihrem Lieblingsteddy Benjamin im Arm. Sie war tief und fest am Schlafen. Sie war bei Eve zu Hause! Aber warum? Dann fiel ihr wieder ein, was passiert war. Tränen machten sich wieder über ihrem Gesicht breit und sie fing an zu schluchzen. »Nein, nein. Das darf nicht wahr sein. Er darf nicht tot sein. NEIN!!!«
In dem Moment kam Eve ins Zimmer und eilte direkt zu ihrer Freundin.
»Ich bin da, Isabell. Ich bin da! Es tut mir so leid, meine Liebe. Es tut mir so unendlich leid. Weine. Weine, so viel wie du willst. Ich bin da!!«
Eve und Isabell lagen eng umschlungen mehrere Stunden im Bett neben Cathleen, ohne ein Wort zu reden. Cathleen wachte zwischendurch immer mal wieder auf, verhielt sich aber ganz still und leise. Eve hatte ihr bereits schonend versucht zu erklären, was passiert war. Cathleen wirkte traurig, versuchte aber offensichtlich, für ihre Tante stark zu sein. Sie hatte sich zu Isabell gedreht und an sie gekuschelt. Ihren Teddy hatte Cathleen zwischen sich und Isabell gelegt und immer, wenn Isabell wieder in Tränen ausbrach, streichelte Cathleen ihr mit der Tatze von Benjamin über das Gesicht, um so ihre Tränen zu trocknen und sie zu trösten.
»Eve?«, fragte Isabell und richtete ihren Kopf ein wenig dabei auf.
»Ja, meine Liebe?«
»Ist er wirklich fort?«
»Ja, Isabell. Er ist gegangen!«
Eve stand langsam auf und ging Richtung Tür und sagte dabei: »Ich mach uns jetzt mal etwas Warmes zu trinken und vielleicht eine Kleinigkeit zu essen. Wir müssen jetzt alle etwas essen!«
»Eve?«
»Ja?«
»Ich möchte zu ihm. Können wir zu Nick fahren?«
»Ja, können wir. Dr. Smith hat gesagt, wir können jederzeit kommen, wenn du dich verabschieden möchtest.«
»Ja das möchte ich.«
»Wir fahren gleich, nachdem wir etwas gegessen haben und ich die Nachbarin erreicht habe, damit sie auf Cathleen aufpassen kann.«
Isabell schaute auf Cathleen, die wieder eingeschlafen war.
»Hat sie es verstanden?«
»Ich glaube ja. Sie ist noch zu klein, um wirklich verstehen zu können, was das alles bedeutet. Ich habe es ihr direkt gesagt, als meine Eltern sie heute Morgen gebracht haben.«
Isabell saß auf dem Beifahrersitz von Eves Auto.
Sie fuhren langsam in die Einfahrt zum Krankenhaus hoch und plötzlich tauchten die Bilder der letzten