Название | Das Lachen der Yanomami |
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Автор произведения | Nina Hutzfeldt |
Жанр | Языкознание |
Серия | |
Издательство | Языкознание |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783738031041 |
»Möglicherweise. Sie hängt genau wie ich an dem Haus, aber vielleicht sollte ich einfach nochmal mit ihr reden.«
»Genau. Du solltest deinem Herzen folgen. Es wird dich auf den richtigen Weg bringen.« Als ich den Satz beendet hatte und Christopher in die Augen sah, schämte ich mich in Grund und Boden. Wie konnte ich ihm so etwas sagen. Romantische Schnulze. Wie unangenehm. Ich spürte, wie sich das Blut in meinen Wangen sammelte.
»Komm, ich zeig dir meine kleine Bleibe.« Christopher tat, als hätte er die Röte in meinem Gesicht nicht bemerkt, aber ich wusste, dass er sie gesehen hatte.
Der Flur glich einem Schlauch, der bis zu einer schmalen Treppe ins Obergeschoss führte. Es war dunkel. Christopher knipste das Licht an. Drei Türen führten in verschiedene Räume. Wahrscheinlich Küche, Bad und Wohnzimmer, dachte ich und folgte Christopher, bis wir zusammen im Bad standen.
»Geh du doch schon mal ins Wohnzimmer.« Er deutete zu einer der zwei anderen Türen. Wieder rötete sich mein Kopf wie eine Bombe.
Schnell verschwand ich im Wohnzimmer, das gleichzeitig als Büro diente. Ein großer kirschholzfarbener Schreibtisch aus Mahagoni stand eingezwängt in einer Ecke, was zu schade war, denn dort kam er gar nicht richtig zur Geltung. Außerdem war Christopher nicht gerade der Typ Mann, der die Ordnung liebte. Überall lagen Zettel, Zeichnungen und Fotos herum. Neugierig ging ich hinüber und hob eine der Zeichnungen auf. Es war ein Grundriss des Grundstücks. Das Hotel war darauf eingezeichnet, das Häuschen, in dem ich mich gerade befand, der Schuppen und noch ein weiteres Häuschen am Ende des Grundstücks. Ich hatte es bei meiner Erkundungstour wohl übersehen.
»Was machst du denn da?«
Erschrocken ließ ich die Zeichnung los, die daraufhin leise zu Boden schwebte. »Entschuldigung.« Verlegen fuhr ich mir durchs Haar. »Das wollte ich nicht.«
»Schon gut. Das sind alles Dokumente vom Grundstück und vom Haus. Ich habe hier auch noch irgendwo einen Grundriss des Hauses.« Christopher hob einige Blätter an, legte sie aber gleich wieder auf ihren Platz. »Vielleicht sollte ich erst mal aufräumen.« Er kratzte sich an der Nase.
»Ja, das wäre eine Maßnahme.« Ich lächelte. »Hast du dir den Grundriss denn schon einmal angesehen?«
»Ja, warum?«
»Na ja, ich meine ja nur. Ich habe dieses Haus gar nicht auf dem Grundstück gesehen.« Mit der Hand deutete ich auf das Häuschen, das mir fremd war.
»Ach ja, das Haus ist hinter den hohen Hecken versteckt.«
»Oh, warum das?«
»Keine Ahnung. Ich habe es erst kurz vor dem Kauf auf dem Grundriss entdeckt. Die beiden Bradford-Schwestern haben es uns bei der Führung gar nicht gezeigt und auch nicht erwähnt.«
»Und dir kam es nicht eigenartig vor?« Ich runzelte die Stirn.
»Setzen wir uns doch erst einmal.« Christopher wies auf die Couch. Sie schien ziemlich bequem zu sein. »Möchtest du etwas trinken?«
»Ja, gerne. Ein Wasser wäre nett.«
Einen kurzen Moment lang war ich allein und hätte mich am liebsten wieder auf den Schreibtisch gestürzt. Es war einfach zu verlockend für mich.
»Weißt du, ich bin gerade dabei, die vorigen Besitzer dieses Hauses ausfindig zu machen. Ich möchte mehr erfahren, um so Sophia vielleicht aus dem Haus zu bekommen.« Christopher kam mit einem Tablett in der Hand zurück ins Wohnzimmer.
»Und du meinst, das hilft?« Ich nahm das Glas Wasser entgegen.
»Keine Ahnung. Ich weiß so viel, dass der Lord aus welchen Gründen auch immer das Haus an eine Familie Bradford verkauft hat. Es war in deren Familienbesitz, bis wir kamen und es von den Schwestern kauften.«
»Wenn man ein so altes Gebäude verkauft, muss man echte Geldsorgen haben«, sagte ich und trank einen Schluck.
»Das kann ich gar nicht sagen. Ich glaube nicht, dass die Schwestern arm waren. Ich hatte das Gefühl, dass die beiden das Haus unbedingt loswerden wollten.«
»Wirklich? Mm, das ist echt komisch.«
»Aber wie dem auch sei. Jetzt zu dir. Ich wollte dir erzählen, was ich herausgefunden habe.«
»Okay, dann bin ich mal gespannt.« Aufgeregt biss ich mir auf die Unterlippe.
»Es war nicht einfach, aber mit etwas Hilfe von einigen Freunden habe ich herausgefunden, wer Clark Owen wirklich ist.«
Wollte ich es überhaupt wissen? In diesem Moment fragte ich mich, warum ich die Reise nach England überhaupt gemacht hatte. Hier saß ich mit einem fremden Mann in seinem Haus und suchte nach meinen Wurzeln. Vielleicht hatte ich auch einfach nur Angst, dass ich für immer allein sein würde. Ich war Einzelkind. Die Familie mütterlicherseits war schon lange fort. Wenn meine Mutter nicht gestorben wäre, würde ich immer noch glauben, dass mein Vater tot wäre. Was würde passieren, wenn sich Trauer und Wut miteinander verbänden? Ich wusste es nicht.
»Ist alles in Ordnung mit dir?«, fragte Christopher. Er hatte seine Hand auf meine Schulter gelegt.
»Mir ist irgendwie schlecht. Ich weiß auch nicht.« Ich legte mir die Hände vor den Bauch.
»Sicher, das ist nur die Aufregung. Es ist auch wirklich interessant. Dein Vater Clark Owen ist Schriftsteller.« Christopher öffnete die Mappe auf seinem Schoß.
»Schriftsteller?« Ich traute meinen Ohren nicht.
»So ist es. Aber er schreibt nicht unter seinem richtigen Namen. Sein Autorenname ist George Preston.«
»George Preston?« Ich kratzte mich an der Stirn. Meine Gedanken fuhren Karussell. Alles begann sich zu drehen wegen der vielen Informationen: Schriftsteller, George Preston, Bücher. Ich liebte Bücher und besonders mochte ich die englischen Autoren, aber dieser Name war mir nicht bekannt.
»Ist er sehr berühmt?«, fragte ich und grub weiter in meinem Kopf.
»Allerdings. Er ist mit jedem Buch auf der Bestsellerliste weit oben. Die Frauen reißen sich um ihn.«
»Okay, ich lese viel, besonders englische Bücher. Komisch.« Ich zuckte mit den Achseln.
»Ich habe hier auch sein neuestes Buch. Es heißt ›Auf der Yacht nach Toronto‹«.
»Das hört sich interessant an.«
»Mich persönlich sprechen die Titel nicht an und auch die Buchcover sind immer schlicht gehalten. Aber wer einmal ein Buch von ihm gelesen hat, weiß, dass nicht die Schale wichtig ist, sondern der Kern.« Christopher legte mir das Buch auf den Tisch.
»Lies es, du wirst es nicht bereuen.« Er zwinkerte mir zu.
»Okay.« Ich nahm es und las den Klappentext. Es war ein Roman über eine junge Journalistin, die zur Hochzeit ihrer Freundin eingeladen war. Deren Vater war ein reicher Mann und lud alle auf eine Yacht ein, die die Hochzeitsgesellschaft nach Toronto bringen sollte. Doch auf der Überfahrt spielten sich mysteriöse Dinge ab. Ein Junge verschwand, und als die erste Leiche gefunden wurde, begann die Journalistin zu recherchieren. Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, nahm ich mir gleich den Prolog vor. Wie hypnotisiert saß ich auf der Couch. Christopher schenkte mir mein leeres Glas wieder voll.
Erst ein Räuspern ließ mich aufblicken.
»Oh, entschuldige. Ich ...«
»Kein Problem. Ich finde den Klappentext auch sehr interessant. Aber ich hatte noch keine Gelegenheit zu lesen. Die Informationen habe ich von Fans, Lesern und dem Verlag.«
»Darf ich mir das Buch ausleihen?«, fragte ich und hielt es fest in meinen Händen.
»Aber natürlich.«
»Das ist schön.«
Schweigen.
»Also, es gibt noch etwas Interessantes. George Preston ist nämlich gerade auf Lesereise und wird auch hier in Northumberland