Название | Das Leben ent-ERNST-en |
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Автор произведения | Cornelia Hürlimann |
Жанр | Языкознание |
Серия | |
Издательство | Языкознание |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783991079392 |
Circa 20.30 Uhr ist die One-Man-Show in vollem Gange. Der Saal des Theaters Fauteuil vollbesetzt, stürmt Markus durch die vordersten Sitzreihen (alle mussten aufstehen, da diese Theaterbestuhlung sehr eng ist), um sich neben Kathrin zu setzen. Kathrin schaut zur Bühne, schenkt Markus keine Beachtung. Sie versucht zu vertuschen, dass der zu ihr gehört. Emil, der Komiker auf der Bühne, sagt in diesem Moment „Guete Abe“ und Markus schaut Kathrin sehr vorwurfsvoll und immer noch nach Luft schnappend an. Kathrin konnte nur noch lachen. Lachen, bis der Bauch wackelte.
Erst Jahre später erzählte Markus, wie er zu Benzin gekommen ist. Er musste sich ein Taxi nehmen, der ihn zur Tankstelle brachte, einen Kanister kaufen, mit Benzin füllen, zurückchauffiert werden, um das Auto wieder in Bewegung zu bringen. Vom Preis dieser Panne sprechen die beiden nicht. Doch solche Geschichten bleiben hängen und bringen sie jedes Mal von neuem beim Erzählen in ein Lachgeflecht.
Barbara Johnson zitiert so wunderbar: „Das Lachen ist für das Leben, was die Stossdämpfer für ein Auto sind. Zwar bringt es die Schlaglöcher nicht zum Verschwinden, aber es macht die Fahrt doch um einiges angenehmer“.
Ruckli Hürlimann oder „Hürlimann-Ruckli“
Vor 30 Jahren wurde ich vom Zivilstandesbeamten unseres Dorfes gefragt, ob ich meinen Mädchennamen behalten möchte und den Namen meines Mannes hinter meinen hinzufügen. Ich überlegte einen kurzen Moment, schaute meinen Mann an. Wir hatten dies nicht in Erwägung gezogen, da es diese Möglichkeit noch nicht so lange gab. Doch beim jetzigen ausstehenden Entscheid grübelte ich ein wenig. Einige Erlebnisse schwirrten mir durch den Kopf, als mein zukünftiger Schwiegervater seinen Familiennamen Hürlimann oft „blöffig“ in den Vordergrund stellte. Ich informierte mich beim Beamten, ob von diesem Recht, den ledigen Namen zu behalten, schon Gebrauch gemacht wurde (wurde erst vor 30 Jahren rechtlich angepasst). Er sagte: „Sie wären die zweite Frau in unserem Dorf“. Ich stimmte dem Namen Hürlimann zu. So würden ich und unsere Kinder im Alphabet nach vorne rücken.
Zuhause unterbreitete ich meinem Schwiegervater, dass ich die zweite Frau im Dorf sei, die den Mädchennamen behalten würde. Er schüttelte den Kopf, stand auf und ging Fernsehschauen. Diese Aussage kam genügend ERNST rüber – um all den im Vorfeld genannten Überheblichkeiten bezüglich des Familiennamens einen Schock zu setzen. Sein Ärgernis nahm Raum ein. Am anderen Tag kam meine Schwiegermutter zu mir und erkundete sich mit Nachdruck, ob ich das wirklich getan hätte. Wenn ja, würde der Vater von Gerry nicht an unserer Hochzeit teilnehmen.
Meine Revanche auf die zahlreichen Verspottungen meiner Namens-Herkunft zeigte Wirkung und hat auch noch über Nacht Spuren hinterlassen. Denn Hürlimann zu heißen, dies sei eine Ehre – meinte Schwiegermutter im vollen ERNST. Ich begann zu lächeln und freute mich, beide auch noch von einer mutigen Seite kennenzulernen. Dieses Namensspiel hatte jetzt ein Ende und dieses Thema habe ich im richtigen Moment vom Tisch gefegt.
„Die Phantasie tröstet die Menschen über das
hinweg, was sie nicht sein können, und der
Humor über das, was sie tatsächlich sind.“
(Albert Camus)
6. Dezember/Samichlaus-Ritual
Nun ja, mit den verschiedenen bestellten Samichläusen hatte Alena so ihre liebe Mühe. Denn die Erlebnisse waren eher wenig erfreulich. Während sich Alena an diesem 6. Dezember für das Samichlaus-Abendessen mit Grittibänze, Lebkuchen und Tischdekorieren beschäftigte, flammt in ihr die Idee auf, sich als Samichlaus zu verkleiden.
Ein brauner Mantel, warum nicht? Eine alte Brille mit großen Gläsern, rote Zipfelmütze und ein weißer Bart aus Watte, „et voilà!“. Während das Abendessen mit den Kindern von Alena und deren vier Großeltern in vollem Gange war – Erdnüssen wurden geknackt, Mandarinen geschält – stahl sich Alena vor die Haustür und verkleidete sich. Die weißen Handschuhe leuchteten an ihren Händen, so, wie das große dicke „Readers Digest- Buch“ ebenso. Mit etwas mulmigem Bauchgefühl, jedoch mit großer Vorfreude, in der neuen Rolle zu wirken und sein, drückte Alena die Hausklingel. Der mittlerweile pubertierende Sohn von Alena öffnete die Tür. Alena begann in der neuen Rolle herzhaft aufzugehen und konnte ihr Lachen nur schwer unterdrücken. Das Lachen war hörbar ansteckend, so dass jetzt auch die Schwester nach dem unerwarteten Gast schauen musste. „Nei also – nei – ich glaubs nid“, hörte Alena sie sagen. Alena betrat die mit Kerzenlicht geschmückte Wohnküche. Alle am Tisch schauten in voller Spannung den daherkommenden Samichlaus im schummrigen Licht an. Mit einer tieferen Stimme beginnt Alena aus dem „Tadellosen“ Buch vorzulesen und verbreitete mit LOB, Dankbarkeit und Wertschätzung viel Freude. Ein derARTiger Samichlaus-Abend war einmalig für alle Familienmitglieder. Leider war Mama nirgendwo zu finden, so dass sie diesem Spektakel hätte beiwohnen können.
Die jüdische Dichterin Hilde Domin sagt: „Wenn sie mit offenen Armen auf den anderen zugehen, an das Gute im Menschen glauben, an das Wunder glauben, übt man sich im Vertrauen“.
Leukerbad, eine Reise wert
Meine zweite Heimat in der Schweiz ist Leukerbad. Da zieht es mich oft hin, egal zu welcher Jahreszeit. Einige Bekannte und Freunde sind uns nach unseren Schwärmereien gefolgt.
Einmal saßen wir als Familie in einer Gondel. Plötzlich erkannte unser Sohn aus unser Wohngemeinde die Familie Herzig. Voller Aufregung sagt der 9-jährige Sohn: „Mama schau, wie Herzig die Familie Herzig skifährt“.
Solche Momente mit liebevollem kindlichen Humorgehalt anzuerkennen, frei von persönlichem Angriff, erscheint mir eine hohe Lebenskunst. Egal, wie diese Familie skifährt, das Wichtigste ist die innere Atmosphäre, die ausgelöst wird beim Skifahrenden und beim Betrachter. Wenn bei allen eine positive Sichtweise der Freude vorausausgeht, stärken wir unser kollektives Bewusstsein.
„Neumödisches Züügs“
Ein anderes Mal saßen wir mit Freunden in der Gondel. Die Mutter, zuständig für den Sonnenschutz, strich mit der neumodischen Tube das Gesicht ihres Mannes ein. Sie drückte auf die Tube und es wollte einfach nicht mehr rauskommen, obwohl diese Tube neu gekauft wurde. Dieser Roller an der Spitze ging nur harzig über die Backen, Stirn und Nase. Das Gesicht von meinem Gegenüber erhielte eine glänzende, wachshaltige Schicht verpasst und ich fragte die Freundin, weshalb sie so viel Lippenpomade ins Gesicht streiche? Jetzt war es klar und die volle Kabine mit sechs Insassen fiel ins Grölen. Ich erklärte der Mutter, dass diese Tube in Doppelfunktion zu benutzen sei. Einerseits als Lippenpomade, und nachdem man den gesamten oberen Teil der Lippenpomade abschraubt, kann das „Neumodische Zeugs“ als Sonnencreme gebraucht werden. Nun ja, neu würde nicht NEU heißen, wenn wir es schon kennen.
„Walliser Roggenbrot“
Wer liebt es nicht und genehmigt sich gerne beim Frühstück eine, zwei oder drei dünne Scheiben! Während des Tages setzt dann meist der Stoffwechsel ein und bei freier Fahrt auf der Piste erlaubt sich so mancher „Verklemmter Furz“ durch die freien Pobacken aus der Enge zu fliehen. Auch ich schenkte meinen Gasen sehr wohl den nötigen, befreiten Raum. An einem Tag gab es nicht genügend Schnee, so dass wir mit den Skiern die Talabfahrt hätten machen können. Wir mussten die große Gondel benutzen, um hinunter ins Dorf Leukerbad zu gelangen. Mein Sohn meinte in der vollbesetzten Gondel plötzlich relativ laut: „ Mama, doh het öpper gfurzt – und dä stinkt wie dini“! (Mama, hier hat jemand gewindet, und dieser stinkt wie deine.) Nun ja, meine Pobacken haben in diesem Moment kläglich versagt. Trotz leisem Entfliehen und Loslassen kam es dazu, dass ich herzhaft zu lachen begann und versuchte, die Situation zu