Название | Frei - Land - Haltung |
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Автор произведения | Группа авторов |
Жанр | Документальная литература |
Серия | |
Издательство | Документальная литература |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783948675011 |
Chrischi: Wir hatten noch ’ne Zeit lang ’ne Spielekonsole drinne, ’ne Wii, wo man dann auch sitzen konnte, ohne direkt zu feiern, aber sich trotzdem mit Freunden treffen konnte. Aber meistens ist es doch ausgeartet und man hat doch einen getrunken. [lacht] Vor allem am Anfang war das echt geil da drinne. Da waren dann schon legendäre Partys. Ein Kollege von uns, der feiert zum Beispiel das Lied „In the Air tonight“ von Phil Collins, und dann hat er zum Schlagzeugsolo sein T-Shirt zerrissen und das haben wir dann später verbrannt. Das fällt mir jetzt so spontan als Beispiel ein. [alle lachen]
Wer kommt da dann zusammen? Eher nur Leute hier aus dem Dorf oder habt ihr auch Kontakte zu Leuten aus anderen Dörfern, die da dann alle dazukommen?
Lewe: Meistens sind das immer dieselben Leute, aber wir haben ’n Ferienhof hier und dann sind halt auch mal ’n paar Feriengäste dabei.
Chrischi: Man ist ja dann auch froh, wenn man auf dem Land mal die Möglichkeit hat, neue Leute kennenzulernen.
Wer bestimmt denn darüber, welche Leute in den Wohnwagen reinkommen und welche nicht?
Lewe: Chrischi und ich haben als „erste Vorsitzende“ das Sagen. Wenn dann Leute kommen, auf die wir nicht so Bock haben, gucken wir uns das an, und dann fliegen die zur Not halt wieder raus. Ich mein, das Gute ist ja, dass der Wagen bei mir hier aufm Grundstück steht. Deswegen ist das eigentlich auch klar, dass ich und auch meine Brüder oder halt auch Chrischi da das Sagen haben.
Und wie ist das dann: Habt ihr ’n Schlüssel oder kann da jeder zu jeder Zeit rein?
Lewe: Nee, der steht immer offen. Da kann jeder reingehen. Das ist auf jeden Fall ’ne Touri-Attraktion! [alle lachen]
Chrischi: Es ist ja auch so, dass der wirklich uns gehört. Deshalb kann nicht einfach jemand Fremdes rein. Wenn wir da feiern wollen, dann wird das vorher ausgemacht. Deswegen gibts da eigentlich auch eher selten Stress, weil das dann eigentlich immer unsere Leute sind, die wir ja auch schon lange kennen. Deswegen brauchen wir auch keinen Schlüssel. Man könnte den, glaub ich, eh nicht mehr abschließen. [lacht]
Wie ist das mit euren Eltern, wenn ihr zu Hause feiert oder auch hier bei euch auf dem Grundstück mit dem Wohnwagen? Haben die da keine Probleme damit?
Lewe: Nee, wir stehen ja ziemlich weit unten auf der Koppel. Daher kriegen die das nicht wirklich mit.
Gut: Ab und zu haben sich Feriengäste beschwert, aber ganz selten. Dann haben wir die Musik ’n bisschen leiser gemacht, und dann lief das auch wieder.
Chrischi: Meine Mutter hat da auch nicht so das Problem mit, wenn wir bei mir zu Hause mal feiern. Wenn das jetzt jedes Wochenende wäre, dann vielleicht schon, aber so ab und zu ist das schon für sie in Ordnung. Manchmal sitzt sie dann auch mit uns, und das ist eigentlich immer ganz witzig.
Was sind denn so die Vorteile vom Feiern auf dem Land?
Chrischi: Auf jeden Fall, dass es halt keinen interessiert, ob du da laut Musik hörst. Kannst einfach mal ganz spontan so ’ne Party starten. Du kannst hier eigentlich sowieso machen, was du möchtest. Da kommt niemand und möchte dir an die Karre pissen. [lacht] Das ist eigentlich ganz gut so.
Lewe: Das Geile bei solchen Partys hier ist, dass man halt einfach spontan auch mal ’n Feuer machen und da dann sitzen kann. Haben wir auch schon häufiger gemacht, wenn wir im Wohnwagen waren. ’n bisschen Stockbrot essen nebenher. Du hast deine Ruhe, kannst machen, was du willst.
Was sind denn eurer Meinung nach die Vorteile vom Feiern in der Stadt?
Chrischi: Wenn du hier auf dem Land bist und du hast ’n Zeltfest und das ist scheiße da, dann gibts halt nichts anderes. In der Stadt sagst du dann halt: „Ok, geh ich halt in den nächsten Club.“
Lewe: Oder auch im Winter, da sind dann hier natürlich keine Zeltfeste. Dann muss man in die Stadt, wenn man feiern will, weil die Diskos haben ja immer auf.
Wie ist das, wenn dann Leute aus anderen Dörfern zu euch kommen, wie kommen die von A nach B?
Lewe: Fremdes Leid! [alle lachen] Nein, da findet sich eigentlich jedes Wochenende ein Döschi [plattdt.: Dummkopf], der die andern durch die Gegend fährt. Es gibt immer einen, der keine Lust hat, dieses Wochenende zu trinken. Braucht man hier auch. Wir wechseln dann natürlich auch mal durch. Wir haben jetzt keine feste Regelung, aber jeder ist mal dran mit fahren.
Chrischi: Das ist gegenüber der Stadt dann doch auch noch ein Nachteil, weil du halt immer einen brauchst, der nüchtern bleiben muss. Hier fährt halt einfach dann kein Bus oder ’ne S-Bahn.
Das wäre jetzt meine nächste Frage gewesen: Wenn ihr in der Stadt feiern geht, habt ihr von dort noch irgendwie nachts ’ne Busanbindung in euer Dorf?
Chrischi: Zur Not wird der erste Zug morgens nach Sörup genommen, und dann muss man halt schauen, wie man von dort anschließend nach Hause kommt. Das sind noch mal so um die fünf Kilometer. Und hier bei uns im Dorf direkt hält eigentlich nur der Schulbus. Also wir haben hier nicht mal ’n Linienbus, deswegen müssen wir uns über ’nen Nachtbus gar nicht unterhalten. [alle lachen]
Wenn ihr irgendwas ändern könntet, was wäre das?
Chrischi: Mobilität auf jeden Fall. Das wäre halt das Beste. Wenn man immer ’n Bus hätte, der hier überall hinfährt, das wär top. Aber eigentlich ist das auch so top, auf dem Land zu feiern, muss ich sagen, weil ’n Fahrer hat man immer, und die Partys sind eigentlich auch immer gut. Also deshalb würd ich jetzt nichts ändern.
Lewe: Ja, so sehe ich das auch. Es ist ja auch so: Der Wohnwagen ist vom Platz ja beschränkt, und wenn wir mal mit mehr feiern wollen, dann gehen wir bei uns in die Scheune. Wir haben hier so ’n Resthof mit unserer Scheune. Dann wird da ’n Tarnnetz aufgehängt und ’ne Anlage aufgebaut und Tische und Bänke rein, und dann kann man da auch mal so mit 50 bis 60 Leuten ’ne größere Party machen.
Wo kommen die Leute alle her?
Lewe: Auch alle aus dem Umkreis hier. Da werden dann mehr Leute eingeladen. Da nimmt dann jeder noch mal ein, zwei Leute mehr mit. Im Wohnwagen sitzen wir dann eher so mit zwölf Leuten.
Habt ihr im Dorf oder in der Umgebung auch Leute, mit denen ihr euch nicht so gut versteht, die auch vielleicht schon mal zu so ’ner Party kamen?
Lewe: Wir sind ja nicht so ’n großes Dorf. Hier kann eigentlich jeder mit jedem. Klar, es gibt immer so ’n paar Ausnahmen, aber hier will niemand niemandem was Böses.
Chrischi: Das ist dann eher, wenn Leute von außerhalb kommen. Dann gibts schon mal Probleme.
Was heißt von außerhalb?
Chrischi: Es gibt halt gewisse Ecken hier, da sind die Leute nicht so gut gesehen, sagen wir mal so.
Lewe: Die ziehen falsche Luft. [alle lachen]
Chrischi: Mit Leuten von hier – im Umkreis von fünf bis zehn Kilometern, da kennt man eigentlich fast alle jungen Leute – gibts eigentlich keine Probleme, weil sich alle gut verstehen. Leute, die so 30 Kilometer weiter weg wohnen, auch aufm Land, die sind dann meistens anders drauf als die Leute, die hier wohnen. Mit denen kanns schon mal zu Problemen kommen.