Название | Sonnenwarm und Regensanft - Band 3 |
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Автор произведения | Agnes M. Holdborg |
Жанр | Языкознание |
Серия | |
Издательство | Языкознание |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783847605805 |
Sie nahm das Handy und drückte den Anruf weg, bevor sie das Ding ganz ausschaltete. »Ich schwöre dir, Anna, vorerst hab ich die Schnauze von Männern gestrichen voll. Mir reicht’s! Endgültig! Ein für alle Mal!«
Sie seufzte schwer, ließ sich aufs Bett fallen und schaute zu ihrer Schwester. »Was machst du heute eigentlich?«
»Ich?«, wunderte sich Anna über Lenas abrupten Themenwechsel. »Na, was soll ich schon machen? Zu Viktor gehen natürlich, schließlich ist Freitagabend. Warum?«
»Ach, ähm, nur so«, druckste die rum. Dabei spielte sie nervös mit den Fingern.
»Gottchen, Lena, du bist ja total verschossen in ihn. Was wird das nur geben? Von wegen ›Schnauze voll von Männern‹!«
Andererseits, warum nicht? Ein wenig Zerstreuung wäre für Lena jetzt wohl das Richtige. »Wenn du möchtest, dann komm doch morgen mit. Wir wollen Vitus und Loana im Schloss besuchen.«
Sofort schoss Lenas Kopf in die Höhe. Ihre Augen blitzten grünlich. »Morgen? Zum Schloss? Das wäre toll.« Dann jedoch erlosch das Blitzen. Mit sinkendem Kopf sackten auch ihre Schultern in sich zusammen. »Ah, verflucht, ich muss doch arbeiten, hab bis mittags Schicht im Salon. Das ist echt schade.«
Anna lächelte. Sie machte sich zwar wirklich Sorgen, Lenas Interesse an ihm könnte unerwidert bleiben. Doch war sie auch froh, dass ihre Schwester schon fast wieder die alte war. Außerdem würde sie ihr nur zu gerne das Schloss zeigen.
»Lena, das ist doch super. Viktor und ich sind ja ohnehin eher die Langschläfer. Wir holen dich von der Arbeit ab, fahren schnell nach Hause, damit du was einpacken kannst, und danach geht’s ab in die Märchenwelt. Das Schloss ist wirklich groß. Da gibt es bestimmt auch ein Kämmerlein für dich, wo du schlafen kannst.«
Lenas Augen bekamen erneut diesen besonderen Glanz, sodass sie nun eindeutig mehr grün als grau schimmerten. Anna wusste, das taten sie immer, wenn Lena aufgeregt oder glücklich war.
»Du meinst, ich dürfte dort sogar übernachten?«
»Sicher doch. Ich hab das gerade mit Viktor ausgemacht.«
»Du meinst, du hast dich gerade jetzt eben mit ihm gedanklich verbunden, während du mit mir geredet hast?«
Anna nickte fröhlich.
»Wow, das ist echt cool, Anna.«
Sie verzog ein bisschen das Gesicht, schwieg aber. Anna sah deutlich, dass ihre Schwester wieder einmal mit Annas elfischen Fähigkeiten haderte.
»Lena Nell«, sagte sie deshalb streng, »wir freuen uns wirklich, wenn du mitkommst, aber ohne Neidfaktor, hörst du? Du bist so eine tolle Frau. Du brauchst niemanden zu beneiden. Und das ist das letzte Mal, dass ich mit dir darüber gesprochen habe, verstanden?«
Lena grinste verlegen. »Verstanden.«
»Gut, dann machen wir das so. Ich muss jetzt los. Mach es gut.« Sie gab ihr einen Kuss auf die Wange. »Bis morgen, große Schwester. Tschö.«
»Ja. Tschö.«
Draußen vor der Haustür wurde Anna von Viktor überrascht. Eigentlich hatte sie durch den Wald laufen wollen, doch er stand mal wieder an sein schwarzes Cabrio angelehnt, hatte die langen Beine lässig an den Fußknöcheln übereinandergeschlagen und spielte gedankenverloren mit seinem Elfenstern am Schlüsselbund. Er schaute sofort hoch, als sie die Eingangstreppe hinunterlief, und strahlte sie an.
Was für einen herrlichen Anblick er ihr jeden Tag aufs Neue bot, dachte Anna glücklich. Nach wie vor konnte sie es nicht hundertprozentig fassen, dass dieser wunderbare Halbelfe ihr gehörte, ihr allein.
»Und du gehörst mir, Kleines, mir ganz allein.«
Viktor zog sie dicht an sich, um sie ausgiebig zu küssen. Dann wickelte er ihr seinen Schal um, obwohl ihr nach seinen Küssen und seiner Sonne kein bisschen kalt war.
»Ich dachte, wir fahren heute mal ins Kino. Da waren wir noch nie. Im Internet hab ich was von einem Quentin Tarantino gelesen. Das soll so ein Kult-Regisseur sein. Der hat einen neuen Film rausgebracht. Wir könnten aber auch in den Hobbit-Film gehen. Du hast die Wahl.«
Anna schob die gespitzten Lippen hin und her. »Kino? Das ist eine tolle Idee. Hhm, lass mal überlegen: Viel Blut und noch mehr Tote oder Fantasy? Tja, da kann ich mich gar nicht entscheiden. Mich interessieren beide Filme. Also triffst du die Wahl, mein Prinz.«
***
Was ging da vor?
Er hatte sie heute mit dem Auto abgeholt, war aber nicht mit ihr zu seinem Haus, sondern nach Düsseldorf gefahren und in einem Kino verschwunden.
Mist! Wer weiß, was die sich dort anschauen würden? Das könnte zu lange dauern. Schließlich musste er auch seiner regulären Arbeit nachgehen.
Er überlegte kurz, während er ruhelos an den Nägeln kaute. Dann wendete er seinen Wagen. Er würde wiederkommen. Da war eindeutig was im Busch und er würde es herausbekommen.
Beim Anblick seiner zerkauten Fingernägel verzog er angewidert das Gesicht. Vielleicht sollte er sich doch ein Päckchen Zigaretten kaufen.
***
Lena war atemlos – atemlos von der unglaublichen Landschaft, die wie im Traum an ihr vorbeigezogen war:
Der Wald. Die Lichtung. Der Bach. Die schimmernden Hügel, die sich wie sanft wogende Wellen eines grünen Ozeans aneinanderschmiegten. Die Felder. Der See. Der Fluss. Der überirdisch blaue Himmel.
All diese Bilder schwirrten wie großartige kunstvolle Malereien an ihr vorüber, so, als betrachtete sie in einem Museum die überdimensionalen Werke begnadeter Künstler, allein ihr fehlte die Zeit zum Innehalten.
Denn schon setzte das Finale ein: Sie erblickte das Schloss mit seinem mächtigen Mauerwerk aus rosa- und naturfarbenem Stein, das trotz aller Gewaltigkeit auch etwas Zartes in sich barg. Das Fachwerk, das sich in ordentlicher Unordnung darauf aufbaute, wurde gekrönt von zahlreichen Türmchen und Erkern, Bögen und Schieferdächern, die im Sonnenlicht blitzten.
In den vergangenen Tagen hatte Anna ihr allerhand vom Elfenland erzählt, auch vom Schloss. Sie hatte gesagt, dass es ein wenig an die Burg Eltz erinnern würde. Lena gab ihr recht, denn auch sie hatte die wunderschöne Burg schon einmal in natura gesehen.
Doch dieses Schloss hier, so befand Lena, war mehr als nur wunderschön. Es strahlte Ruhe, Kraft