Название | Clone Designer - 2984 |
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Автор произведения | Till Symon |
Жанр | Языкознание |
Серия | |
Издательство | Языкознание |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783752908718 |
Die Schuldigen waren schnell ausgemacht. Die Individualisten, da war sich Allsa sicher, hatten durch gezielte Manipulation der Märkte ein hervorragend funktionierendes Wirtschaftsystem geschaffen und die Konsumenten völlig verunsichert. Es wäre höchste Zeit, die Menschheit von ethnischen Minderheiten zu befreien, deren Lebensinhalt offensichtlich nur in der Behinderung von Fortschritt und Wohlstand lag. Eingliederung, nannte Allsa die angestrebte Zwangsumsiedlung der Camps. Fast wäre es gelungen, denn das Weltkomitee, Hüter der Verfassung, bestand überwiegend aus liniengetreuen Allsa-Leuten. Doch von den erforderlichen 75% für eine Verfassungsänderung stimmten im Weltkomitee nur 68% zu. Das hatte Signalwirkung. Es kam zu zahlreichen Überläufern zu den Individualisten. Darunter viele Know-how-Träger aus der Semi Elite.
Clark war damals noch bei Allsa geblieben, weil er die Strukturen und Projekte weiter studieren wollte und sich dort eigentlich doch recht wohl fühlte. Außerdem interessierte ihn das politische Gerangel einfach nicht. Mit 62 Jahren war er noch sehr jung, und der beste Weg, sich das Leben zu versauen, wäre die Politik, dachte er sich.
Er ließ es einfach an sich abprallen:
Als Allsa anfing, zahlreiche Unternehmen zu liquidieren, sie einfach aushungern ließ und in den Konkurs trieb, wenn auch nur ein Teilhaber existierte, der nicht als linientreu eingestuft wurde. Es kam ihm eher lustig vor, wie Allsa ihre Tentakeln immer weiter in die Behördensysteme streckte, Probleme entdeckte die keine waren und für deren überflüssige Lösung wieder ein Allsa-Produkt zur Verfügung stellte.
Wie Menschen verunsichert Berater aufsuchten, aus Angst die falsche Wahl eines Produktes zu treffen, um gesellschaftlich nicht missverstanden zu werden.
Wie sich ein Dr. Broke Eli Castello als Chef Designer zur Kultfigur machen ließ, um mit seinem Charisma und Ratschlägen den Menschen großzügig eine Identität wieder zu geben, die er ihnen vorher genommen hatte.
Dass 91 % von 70 Milliarden Menschen eigentlich nur noch wie eine empfindliche biologische Masse funktionierten, die in einer Nahrungskette namens Wirtschaft, möglichst keimfrei, steril und stets hungrig gehalten werden sollte.
Wie sie diese biologische Masse ständig manipulierten, als würden sie Bakterienkulturen züchten, die einen stinkenden Kadaver zersetzen sollten, der dann als wohlriechende Brühe durch alle Kanäle der Welt lief.
Wie er als Clone Designer täglich neue Gencocktails anrührte, die dann wie Impfstoff in diese biologische Masse injiziert wurden, damit die Geruchsorgane der Welt so manipuliert wurden, dass auch der Letzte diesen Duft ausweglos schön, erhaben und entspannend fand. Nein, diese Menge dürfte ohne diesen Duft nicht mehr überlebensfähig sein. Theoretisch eigentlich kein Problem, aber nach der Verfassung verboten. Und immer dann, wenn Clark dieser erhabene Duft doch die stinkender Kadaver in die Nase kroch, wechselte er die Projekte.
So schwappte diese Brühe an 8% Individualisten vorbei, die sich zum Großteil eine eigene Welt auf fernen Formaten aufbauten. Clark gehörte zu den 1% Semi Elite und Elite, die die Freiheit hatten, das riechen zu dürfen, was sie riechen wollten, dafür aber einen hohen Preis bezahlten. Sie mussten sich zunehmend der absoluten Hörigkeit ihrer Konzerne unterwerfen. Aber das war für die meisten eigentlich Ehrensache, wenn man zu denen gehörte, die nicht in dieser Welt lebten, sondern diese Welt formten, um sich dabei eigene Freiräume zu schafften.
Clark fand sich damit ab, dass seine Frau Jaimie sich von ihm trennte, zur erzkonservativen Individualistin konvertierte und seit nunmehr 40 Jahren auf einem Formaten lebte, auf dem vor 12 Jahren seine Tochter Patricia geboren wurde. Nein, das war eigentlich gut so, denn Patricia wuchs mit Gerüchen auf, die auf der Erde noch vor tausend Jahren herrschten. Niemand, der verstanden hat, wie diese heutige Brühe wirklich stank, wollte seine Kinder damit aufwachsen lassen.
Den immer stärker tobenden Wirtschaftskrieg betrachtete Clark wie ein Schwarm aufgescheuchter Fische im Aquarium. Als ihm die Brühe dann doch zu sehr bei Allsa stank, wagte er den Sprung zur Clonedake Share. Für seinen ehemaligen Vorgesetzen Castello, einen exzellenten Strategen, war er ein charakterloser Verräter. Er bewunderte Clarks Leistungen und aus dieser Bewunderung entstand ein tiefer Hass zwischen den beiden. Clonedake war für Clark die beste Option, denn das traditionsreiche Unternehmen hatte Geschichte geschrieben und wurde von allen respektiert. Hier wagte Castello sich nicht rein. Noch nicht. Zu groß war die Gefahr, dass er sein Ansehen als Gutmensch in der Öffentlichkeit verlieren könnte. Clonedake war Castello schon immer ein Dorn im Auge und seine größte Herausforderung gewesen.
Fünf Jahre waren nun vergangen und alles, was Clark von Allsa vermisste, waren ein paar alte Freunde, zu denen der Kontakt zunehmend abriss. Sonst lief alles wie am Schnürchen. Clarks Arbeit bei Clonedake war leichte Kost an Dhymatik Rechnern. Zwei weitere Patente wollte er sich noch sichern, um dann ganz auszusteigen und was Neues anzufangen. Was, wusste er noch gar nicht so genau. Er wollte nur eine goldene Regel befolgen: Wenn es am besten läuft, sollst du aufhören.
Nur lief es bei Clonedake plötzlich gar nicht mehr gut. Da wurden Topdesigner abgezogen, die eigentlich dringend gebraucht wurden. Die Stimmung unter den Kollegen wurde zunehmend frostig. Kaum einer machte noch Witze, und gerade Clark war für seinen trockenen Humor bekannt. Er konnte Gags bierernst vortragen, die nur Insider verstanden. Während die Leute erstaunte Gesichter machten, brach das Kollegium in schallendes Gelächter aus. Doch es war niemanden mehr zum Lachen zumute. Clonedakes Kurse brachen immer tiefer ein. Das passte zu Allsas neuer Strategie, die Castello euphorisch dem jubelnden Volk zurief.
»Genug ist niemals genug. Wir wollen alles. Wir sind die Stärksten. Wir sind nur für euch da. Ihr habt mit eurem Qualitätsbewusstsein neue Maßstäbe gesetzt. Weil ihr so klug seid, weil ihr Verstand habt. Dafür danken wir euch. Wir danken euch mit neuen, noch besseren Produkten. Ihr habt sie verdient. Wir sind eine Einheit. Wir sind Allsa!«.
Und wieder schwamm der Schwarm Fische aufgescheucht im Aquarium umher. Diesmal prallte es an Clark nicht ab. Bisher hatte es immer noch so etwas wie Wettbewerb gegeben. Doch der sollte nun ausschließlich zur Selbstinszenierung von Allsa werden. Sie begannen nach jedem, selbst dem kleinsten Unternehmen zu greifen und saugten alles auf, wie ein trockener Schwamm. Es würde Jahre dauern, bis das Weltkomitee über die Flut an Kartellklagen entschieden hätte. Und bis zur Entscheidung würde es die Kläger längst nicht mehr geben.
Der Trick war einfach. Allsa zog immer wieder die eigenen Leute aus dem Weltkomitee ab, die sich für Kritik offen zeigten. Plötzlich quittierten sie ihre Mandate. Allsa begründete das zynisch mit dem Vorwurf der Individualisten, dass doch das Weltkomitee zu sehr von Allsa-Getreuen unterwandert sei. So erzeugten sie eine permanente Handlungsunfähigkeit und sämtliche Verfahren stagnierten. Zahlreiche unabhängige Unternehmen standen mit dem Rücken an der Wand. Nun forderte das Weltkomitee die Neubesetzung der Mandate und die Welle schwappte zurück. Um die Verfahren voranzutreiben blieb den gebeutelten Unternehmern nichts anderes übrig, als jedem neuen Mandat zuzustimmen. Ausschließlich linientreue Allsa-Leute, die dann überraschend alle Klagen zuließen, um großzügig viele bedrohte Existenzen zu retten. Es ging nicht um die Unternehmen.
Allsas Ziel war die radikale Änderung der Verfassung!
Vorangetrieben von einem vom Größenwahn besessenen Chef Designer: Dr. Broke Eli Castello. Es rumorte in den eigenen Reihen und viele, sonst so erhabene Designer, gerieten in Panik. Bei Clonedake ging es für