Название | Freud obszöner Spötterfunken |
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Автор произведения | Anno Dazumal |
Жанр | Языкознание |
Серия | |
Издательство | Языкознание |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783738014426 |
Das Wiedersehen
Nicht unbedingt erfreut waren Horst und Gisela, als sie sich eines Abends zufällig über den Weg liefen. „Lange nicht mehr gesehen. Du siehst gut aus. Wie geht es Dir?“ erkundigte sie sich vorsichtig. „Na ja, ich bin alles in allem ganz zufrieden. Und, wie läuft es mit meinem Therapeuten? Besorgt er es Dir auch ordentlich?“ „Na und wie! Der Mann ist eine wahre Sexmaschine, aber das war schon eine gewaltige Umstellung für mich, so von 0 auf 100 innerhalb von ein paar Wochen.“ „Na ja, dann ist ja alles prima.“ „Äh, wie soll ich sagen, ich will jetzt nicht kleinlich klingen, aber manchmal wird mir das auch ein bißchen zuviel.“ „Wie meinst Du das?“ „Nicht daß ich es gut gefunden habe, daß Du mich überhaupt nicht mehr angefaßt hast, aber hin und wieder wäre ich froh, wenn ich endlich die goldene Mitte finden und nicht länger vom einen Extrem zum anderen pendeln würde. Wie geht es Dagmar? Hab sie lange nicht mehr gesehen.“ „Gutes Stichwort.“ Auf einmal verfinsterte sich Horsts Gesicht und er setzte zu einer Tirade an: „Was bildest Du Dir eigentlich ein! Was Du meiner Freundin früher für Sachen über mich erzählt hast, das geht ja nun wirklich auf überhaupt keine Kuhhaut!“ „So! Hat die dumme Gans etwa ihre Klappe nicht halten können? Aber Horst, so erregt kenne ich Dich ja gar nicht. Das gefällt mir.“ „Danke für die Blumen. Aber ich habe mich natürlich gerächt, indem ich ihr alles erzählt habe, was Du über sie ausgeplaudert hattest.“ Na vielen Dank aber auch! Du Arsch!“ „Hey, Du wirst ja auch richtig emotional! Das törnt mich voll an. Laß uns gehen!“ Natürlich kam es so wie es kommen mußte: Horst trieb es mit Gisela und sie hatten jede Menge Spaß. Danach lagen sie zufrieden nebeneinander und Gisela fragte: „Na, bin ich besser als Dagmar?“ „Kann ich so nicht sagen. Bei der Dagmar habe ich immer das Gefühl, daß sie keinen Fehler machen will, so als ob sie Angst davor hätte, mich zu verlieren“, bemerkte er. „Da liegst Du wohl nicht ganz falsch. Die hatte es schon lange auf Dich abgesehen und hat nur darauf gewartet, bis Du auf dem freien Markt zu haben warst.“ „Tatsächlich? Das erklärt so Einiges. Ich schlafe gerne mit ihr, aber liebe ich sie?“
„Schönen guten Tag! Mein Name ist Doktor Urban Wupf, ich bin Psychoanalytiker. Was kann ich für Sie tun?“ wollte der Herr im weißen Kittel wissen, nachdem eine junge Frau sein Sprechzimmer betreten hatte. „Ich heiße Dagmar Frokle und ich habe ein Problem“, machte die Frau deutlich. „Das habe ich mir fast schon gedacht. Darf ich fragen, wie Sie ausgerechnet auf mich gekommen sind?“ „Das hat persönliche Gründe, denn ich glaube, daß das, was mich belastet, auch für Sie höchst interessant sein dürfte.“ Urban horchte auf und schaute seine neue Klientin interessiert an. Sie sah gut aus, aber er war ja vergeben, von daher konnte er sich nicht vorstellen, inwiefern ihn das, was sie zu erzählen hatte, betreffen könnte. „Soviel ich weiß, sind Sie der neue Freund von Gisela Radtke und ich muß Ihnen leider mitteilen, daß Ihre Freundin Gisela gestern abend mit meinem Freund Horst Radtke geschlafen hat.“ Urban wäre beinahe vom Stuhl gefallen, so haute ihn jene Nachricht um. „Das gibt es doch nicht! Und mit mir wollte sie nur noch fünfmal die Woche schlafen. Jetzt weiß ich endlich auch warum!“ entfuhr es ihm. „Es tut mir leid, daß ich Sie damit behellige, aber ich finde, daß Sie das wissen sollten“, lauteten Dagmars Worte. „Absolut. Ich danke Ihnen dafür auch von ganzem Herzen, auch wenn es mir dieses Herz gerade eben fast zerrissen hätte, aber darf ich trotzdem fragen, woher Sie das wissen?“ „Na ja, ungern, weil ich nicht will, daß Sie einen schlechten Eindruck von mir bekommen. Also gut, es bringt ja doch nichts. Ich habe Horst verfolgt, weil ich dermaßen in ihn verliebt bin und dementsprechend natürlich auch unheimlich eifersüchtig. Als ich gesehen habe, daß er sich mit Gisela trifft, habe ich gleich das Schlimmste befürchtet, also bin ich ihnen hinterher. Na ja und dann habe ich genug gehört und gesehen, um ganz sicher sein zu können.“ „Verstehe. Und was machen wir jetzt?“ „Das weiß ich auch nicht.“ „In einem Anflug blinder Rache hätte ich fast gesagt, wir sollten es jetzt hier auf der Stelle miteinander treiben, aber das bringt uns wahrscheinlich auch nicht weiter, außerdem bin ich ja gerade im Dienst und es soll schließlich nicht heißen, der Herr Psychoanalytiker würde seine Patientinnen flachlegen, das wäre nicht gut für unseren Ruf und ein gefundenes Fressen für sämtliche Boulevardblätter. Von daher schlage ich vor, wir reden erst mal darüber.“ „Über unseren Sex?“ „Nein, über das, was das ganze Geschehen in Ihnen ausgelöst hat.“ „Wut, Ärger, Eifersucht, Verbitterung. Ich hätte es niemals für möglich gehalten, daß Gisela mit Horst in die Kiste steigen würde. So wie sie immer über ihn geschimpft hat.“ „Ja, wie es aussieht, sind in diesem Fall wir die Dummen. Dank uns sind die Beiden wieder auf den sexuellen Geschmack gekommen