Rufe aus Morgania. Brigitte H. Becker

Читать онлайн.
Название Rufe aus Morgania
Автор произведения Brigitte H. Becker
Жанр Языкознание
Серия
Издательство Языкознание
Год выпуска 0
isbn 9783742781550



Скачать книгу

dieselbe Nacht, wenn es gleich geholt wird.“

      „Vielleicht nimmt` s die Alte nicht so genau damit. Die Planeten wandern nicht so schnell“,

      sinnierte Narcissa. „Das gilt nicht für die Mond Frau, und die beherrscht außer der Gefühlswelt die Magie“, trumpfte Rosalie auf. Die Anderen zuckten hilflos mit den Schultern.

      Forschend ließ Rosalie den Blick über die Tischrunden der Elfenfrauen schweifen und musste feststellen, dass sie sich beträchtlich geleert hatten. Das hätte sie nicht gedacht!

      Es herrschte ein Gewimmel vor dem Elfenhügel, wo Meridor und Nellyfer auf die Elfen warteten, die sie begleiten wollten.

      Mit dem Finger darauf zeigend stieß Rosalie die Freundinnen auffordernd an.

      „Sollen wir mitfliegen, Mädels?“ Petunia flötete „Aber sicher, ist doch Ehrensache!“

      Nur Narcissa hegte Bedenken. „Ob wir da mithalten können so viel wie wir getrunken haben? Wir sind doch überhaupt keinen Alkohol gewöhnt.“

      „Papperlapapp! Wir bleiben wie immer zusammen und halten uns ganz fest an den Händen“, wehrte Rosalie ihren Einwand mit einer unwirschen Geste ab.

      Petunia legte der ängstlichen Freundin beschwichtigend eine Hand auf die Schulter.

      „Wird schon schief gehen, meine Liebe. Mach dir nicht ins Hemd!“

      Meridor breitete ihre prächtigen Flügel zu voller Spannweite aus, um den Ihren mit erhobenem, funkensprühenden Zauberstab vorauszufliegen; ihre Hofdamen mit Eliodor und Nellyfer im Gefolge.

      Immer mehr Grüppchen schlossen sich an, die kleinsten auf den Schultern Großer, wenn sie nicht Libellen ritten. Sich an den Händen haltend bildeten die Elfen eine Vogelformation, die über den finsteren Wald, über Wiesen und Felder, dem Weiher zustrebte.

      Die Sternkinder gaben ihnen mit ihrer Mond Mutter Geleit.

      Das Klatschtrio hatte den Anschluss verpasst, weil es lange Diskussionen mit Narcissa gab.

      So schnell die Drei auch flogen, die anderen waren nicht mehr einholen.

      Unterwegs sprachen sich die Unzertrennlichen gegenseitig Mut zu, der durch aufkommende Böen beträchtlich ins Wanken geriet.

      Narcissa wollte schon umkehren. Aber die Anderen umklammerten ihre Hand so fest, dass sie sich nicht entwinden konnte. Rosalie und Petunia gerieten aber auch in Panik, als sie ins Torkeln gerieten und sich beinahe überschlugen.

      Zu allem Übel schwirrten Schattenstreifen um sie herum und versuchten, sie aus der Bahn zu werfen. Es fühlte sich wie ein kühler Windzug an, der sie frösteln ließ, wenn sie einer streifte. Die angstvollen Blicke der Freundinnen bewogen Rosalie, die beide fest an den Händen hielt, Ausweichmanöver in Schlangenlinien zu vollführen.

      Plötzlich schrie Narcissa auf, die ihre Hand um krallte, dass es schmerzte. „Auch das noch! Wollen die Windgeister Schabernack mit uns treiben? Das finde ich gar nicht lustig!“

      Wie bei einem heftigen Sturm brauste und pfiff es um sie herum, so dass von Rosalies zugeschriener Antwort nur Wortfetzen durchkamen. „Kann gar nicht sein… alles unter Kontrolle… keiner zu sehen… nur stärkere Windböen.“

      Petunias Hand fing an zu zittern, und bei ihrem Zähneklappern war sie kaum zu verstehen. „Was fliegt… um die Ohren? ...Furchtbar zugig…Kleid flattert wie…entsetzlich kalt!“

      Narcissa, die jetzt auch am ganzen Leibe schlotterte, nickte ihr heftig zu.

      „Lieber umkehren... ganz zurückgefallen… Wer weiß…“

      Der Rest ging im Pfeifen unter.

      Rosalie, der selbst nicht ganz geheuer war, drückte ihre Hände und schrie dagegen an.

      „Papperlapapp!.. schon nicht umhauen. Haltet… fest… gleich… am Ziel!“

      Es war zum Verzweifeln, als würden Schattenflügel ihnen um Arme und Beine klatschen.

      Sie klammerten sich immer fester aneinander, um sich ja nicht zu verlieren.

      Zu allem Überfluss kreuzten noch Irrlichter im Zickzack ihre Bahn. Es wurden immer mehr.

      Die Freundinnen atmeten erleichtert auf, als ein ferner Wellenschlag an ihre Ohren drang.

      Sie schauten sich triumphierend an. Bald waren sie in Sicherheit.

      Nellyfer konnte sich keinen Reim darauf machen, warum die Elfenkönigin und die Waldfee sich bei ihrer Ankunft am Ostufer des Weihers unter eine Birke zurückzogen.

      Sichtlich besorgt tuschelten die beiden miteinander, obwohl sie unterwegs weder belästigt, noch angegriffen wurden.

      Doch könnte die Waldfee mit ihrer übersensiblen Nase etwas gewittert haben.

      Als Nellyfer forschend zum Blätterteppich mit den Seerosen hinüberschaute, atmete sie auf.

      Die dicke weiße Knospe hatte sich zwar weiter geöffnet, umhüllte aber weiterhin das Kind.

      Eliodor gesellte sich zu den Wartenden, Meridor kam zu ihr und wies auf die weiße Knospe. „Hat sich in der deiner Abwesenheit noch mehr getan?“

      Nellyfer nickte. „Es sind noch zwei weitere Blattkränze abgesprungen.“

      Es war ein schönes Bild, wie Sternfächer, die sich über Sternteller ausgebreitet hatten.

      Meridor war die innere Anspannung anzusehen. „Flieg sofort hin und sieh es dir genauer an.“

      Nellyfer musste allen Mut zusammennehmen, der Aufforderung nachzukommen.

      Auf einmal beschlich sie das Gefühl einer lauernden Gefahr.

      Doch landete sie unbehelligt neben der schwangeren Blüte auf dem Blätterteppich.

      Nur eine dünne Blattschicht trennte das Königskind noch von der Außenwelt.

      Sie ging in sich, um ihre Sinne zu sensibilisieren In einem stummen Gebet ersuchte sie Mutter Natur um Hilfe, bevor sie sich prüfend über die Knospe beugte.

      Die Hülse war so durchscheinend, dass das Elfenbaby nun schemenhaft am Blütenboden auszumachen war.

      Sie mit beiden Händen umschließend redete Nellyfer beschwichtigend darauf ein. einzureden.

      Die Kraft der Natur strömte machvoll in sie ein.

      Nun war es ein Leichtes, die letzte Hülle zu entfernen. Doch ging sie behutsam vor.

      Ein Winzling mit allem Drum und Dran schaute Nellyfer vom Blütenstempelkissen aus großen Augen an. Dann fing das Baby an zu schreien, zu strampeln und zu boxen.

      Ihr aufmunterndes Lächeln schien es zu entspannen. Leise wimmernd schaute es sie aus himmelblauen, wässrigen Augen an. Das Herz ging ihr beim Betrachten auf. Porzellanteint, pausbackiges Gesichtchen, umrahmt von feinen Silberlöckchen, goldig. wie ein Engelchen.

      Sie wollte ihm gerade ein Blütensteckkissen zaubern, als ein schattiges Flatterwesen im Steilflug auf sie zukam.

      Ihr Zauberstab fiel ihr aus der Hand.

      Von allen Seiten drangen Geräusche auf sie ein, abgedämpft, wie durch eine Watteschicht.

      Ein gellender Schrei wie aus weiter Ferne- Dreimaliges Wasserklatschen wie aus der Nähe.

      Ihr Zauberstab? Unmöglich. Das konnte nicht mehr sein!

      Im Wasser war nichts zu sehen. Hatte der Schock ihr etwas vorgespielt?

      Aufgewühlter Wellenschlag, ein Rauschen und Zischen in der Luft, ein Sirren ringsherum.

      Es traf sie mit voller Lautstärke. Wie ein schattiger Pfeil schoss etwas auf sie zu.

      Aug in Auge schlug die Fledermaus ihr die Krallen in den Nacken, um sie wegzuzerren.