Название | Die verschlossene Tür |
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Автор произведения | Adriana Wolkenbruch |
Жанр | Языкознание |
Серия | |
Издательство | Языкознание |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783738015966 |
Isabelle war in der Stadt. Sie weiß, daß Eydis den Zettel gesehen haben muß. Er lag auf dem Küchentisch und Eydis frühstückt immer irgendwann und dann ausgiebig und in Ruhe. Das hat ihre Mutter auch gern gemacht, wenn sie Zeit dazu hatte, denkt Isabelle. Sie wundert sich, dass sie solche Gedanken hat, sie war heute so unbeschwert. Sie hat Lebensmittel gekauft, sie hat sich ein neues Kleid gekauft, sie hat ein neues Tuch für ihren Kopf, sie hat immer irgendwelche bunten Tücher um den Kopf geschlagen. dann sieht man ihre Haare kaum. Er hatte ihre Haare geliebt. Obwohl sie unglaublich dünn sind. Fast wie Federn hatte er gesagt. Aber die Farbe hatte er noch mehr geliebt. Kupferrot. Scheiße, denkt Isabelle, gerade ging es mir blendent, alles war bunt und frei in mir. "Scheiße!" Sie beißt sich auf die Lippen, stützt sich auf die Arbeitsplatte in der Küche. Schaut aus dem Fenster. Ihre Hand schlägt wie automatisch vor ihren Mund. Ihre Augen weiten sich. Auf der alten Obstbaumwiese liegen zwei Gestalten eng aneinander gekuschelt. Eydis und der alte Hund. Sie sehen beide anders aus als sonst. Eydis hat ihre Gummistiefel und Socken ausgezogen und ihre Körperhaltung wirkt entspannt, der alte Hund sieht sauber aus, das kann man sogar aus der Entfernung erkennen. Isabelle entfährt ein Gluckser und ihre Hand fällt von ihrem Mund. Ein Lächeln breitet sich über ihr Gesicht aus. Sie kann den Blick nicht abwenden. Erst als Eydis den Kopf nach hinten dreht, als ob sie den Blick ihrer Tante spürt, räuspert Isabelle sich und macht sich daran, die Einkäufe in den Kühlschrank und den Vorratsschrank zu räumen. Sie werden gleich zusammen essen und dann hat sie etwas Zeit für sich. Sie schaltet das Radio ein und singt den Song mit, während sie zu Tanzen beginnt.
Kapitel 2
Der alte Mann sitzt am Tisch in der Küche und schaut aus dem Fenster zu den Laubbäumen, die ihre Äste in den Himmel strecken. Er zieht seine Ellenbogen vom Tisch, als Nadeschda einen Teller vor ihn stellt. Flink ist sie, ziemlich schnell folgen Messer und Gabel und liegen neben dem Teller.
"Herr Hubert Heinrich, wo ist Bauerchef?! Ich habe gerufen so oft und noch und noch und keine Bauerchef komme. Und kleine Enkeltochter auch da nicht. Niemand halte ein Zeiten zu Essen."
"Die kommen schon, Nadeschda. Bestimmt ist noch irgendetwas im Stall." Aber er wird unruhig, jetzt. Langsam steht er auf und schlurft aus der Küche. Nadeschda seufzt. Sie setzt sich an den gedeckten Tisch und schaut aus dem Fenster. Schaut in das Laub der Bäume und bemerkt, dass sie sehr müde ist. Ein polterndes Knatschen , lässt sie zusammenzucken. Der Bauerchef hat seinen Stuhl vom Tisch gezogen, um sich zu setzen. Nadeschda hatte ihn kurz etwas erschrocken angesehen. Er scheint das nicht zu bemerken, räuspert sich und schaut zur Uhr- Verschränkt seine Arme vor der Brust und senkt die Augen.
"Herr Hubert Heinrich war ebnen hier, dann ist gegangen um zu holen Sie und Enkeltochter."
Klements nickt beiläufig und räuspert sich. Die Hintertür poltert und Schritte nähern sich der Küche.
"Nadeschda, schau mal, was ich habe! Zwei echte Schnecken! Opa sagt, es sind Posthornschnecken. Sie leben im Wasser und manchmal tauchen sie auf, um Luft zu holen und sie haben ganz kleine Zähne auf der Zunge und man kann sehen, wie sie Pflanzen kauen!" Karla hält einen durchsichtigen Plastikeimer in ihren Händen. Sie stellt ihn sehr vorsichtig neben die Spüle, vor das Fenster. Am Grund liegen kleine Kiesel und etwas Sand. Dazwischen zwei gelbe Schneckenhäuschen.
"Hast Du Akwaram, kleine Karla!"
"Aquarium!"
"Ohhh, entschuldige, natürlich, dumme, alte Nadeschda, so schlechte Sprache."
"Ist nicht schlimm!"
Alle sitzen jetzt und falten ihre Hände, während Klements das Tischgebet hastig heruntermurmelt. Dann fangen sie an zu Essen.
"Klements, vergiss das Scheunentor nicht wieder. Das muss geöffnet bleiben. Wie sollen die sonst zu ihren Nestern?"
"Ja, ja, Du und Deine Kleinviechereien..."
Nadeschda zögert. Schwalben bringen Glück, will sie sagen, fast automatisch. Aber sie hält sich zurück. Der Bauerchef hat genug zu tun.
Klements ißt schnell. Dann steht er auf und während er die Küche verläßt sagt er "Heut Nacht muß ich raus, die Schweine werden geholt."
Karla erinnert sich daran, wie sie das verwirrt hat, als sie noch kleiner war. Sie hatte Tage damit verbracht, darüber nachzudenken, wer die Schweine holt. Und warum. Und warum um drei Uhr nachts. Irgendwann hatte sie ihren Großvater gefragt und er hatte ihr erklärt, dass sie zum Schlachthof transportiert werden. Sie hatte die Vorstellung schrecklich gefunden und ihr Opa hatte gesagt, dass die meisten Menschen Fleisch essen und das es ja wohl irgendwo herkommen muss und das jeder irgendwo mit Geld verdienen muss. Da hatte Karla sich vorgestellt, dass die Schweine im Himmel bestimmt in Saus und Braus leben, ohne ihren dicken Körper. Und dass sie Grunzend auf die Erde schauen und hoffen, daß ihre Verwandten schnell zum Schlachter kommen, damit sie oben mit ihnen in den Wolken schweben können. Schnell springen ihre Gedanken aber wieder zu ihrem Lieblingsthema.
"Opa, warum haben wir eigentlich so viele Weinbergschnecken im Garten?"
Hubert Heinrich räuspert sich. Sogar sein Sohn scheint jetzt aufzuhorchen, auch wenn er es sich nicht anmerken lässt. Aber warum soll er es nicht erzählen.
"Also, ich habe einmal mit... Auf unserer Hochzeitsreise...wir waren im Rheinland und dort sind mir diese Schnecken aufgefallen. Natürlich gibt es sie auch bei uns, aber dort fielen sie mir besonders ins Auge." Er stoppt und denkt, dass es wahrscheinlich daran lag, dass sonst keine ruhigen Spaziergänge gemacht worden waren.
"Und dann hast Du welche mitgebracht?"
"Ja. Und sie scheinen hier ja bestens zu gedeihen. Deine Großmutter...sie hat immer gesagt, daß sie an das Gemüse gehen, aber das tun eher die Nackten."
Karla schaut aus dem Fenster, auf die drei unterschiedlichen Bäume, aber sie nimmt sie nur verschwommen wahr und träumt vom Rheinland. Dem Land der großen Häuschenschnecken.
"Und, das hätte ich fast vergessen: Weinbergschnecken sind gute Wettersager."
"Wie denn das?" Karla sieht immer