Название | Sagenbuch der Bayrischen Lande |
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Автор произведения | Alexander Schöppner |
Жанр | Языкознание |
Серия | |
Издательство | Языкознание |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783742772664 |
ganz,
O sprich das Wort, Brigitte, das kleine Wörtchen
sprich,
Du, die mein Glück und Hoffen, o sag': ich liebe
dich!«
Wohl zögert noch die Jungfrau mit holdverwirrtem
Sinn,
Dann sinkt mit heißen Thränen an seine Brust sie hin,
»Henricus,« spricht sie leise, »was Gott will, mag
gescheh'n,
Doch sprecht erst mit dem Vater, bis wir uns
wiederseh'n.«
Drauf ist die Magd entschwunden; erfüllt von seinem
Glück,
Bleibt lang' auf selber Stelle Henricus noch zurück,
Doch schon am nächsten Morgen zum reichen
Pankraz tritt,
Er hin mit seiner Bitte, allein mit festem Schritt.
»Seid mir nicht ungehalten, dem ungeruf'nen Gast,
Dieweil mich mein Geschäfte antreibt zu solcher
Hast;
Ich liebe eure Tochter, als rechtlich frommer Mann,
Und wünschte zur Gefährtin durch's Leben sie
fortan.«
»Auch, denk' ich, fühlt ein Gleiches für mich die
fromme Magd,
Es hat mir's eine Thräne in ihrem Aug' gesagt,
Henricus Rumel heiß' ich, bei Sorgloch einst zur
Lehr',
Und drucke selbst nun Bücher und Schriften so wie
er.«
Da blickt der greise Pankraz den Werber lange an,
Und spricht: »Henricus Rumel, ihr seid sehr
wohlgethan,
Von unbescholt'nen Sitten, einnehmend von Gestalt,
Auch, sagt man, wohl erfahren in Künsten
mannigfalt.«
»D'rum will ich nicht verweigern euch meines Kindes
Hand,
Obgleich es mir ein Kleinod, dagegen Alles Tand,
Und setze euch nur eines vorerst noch als Geding,
Und liebt ihr meine Tochter, so däucht's euch wohl
gering.«
»O redet,« spricht Henricus, »was könnte das wohl
sein,
Das ich nicht froh erfüllte, damit Brigitte mein?« –
»Wohlan,« erwiedert Jener, »so laßt von eurer Kunst,
Um die ihr eitel Sorge erwerbt statt Lohn und Gunst.«
»Zerschlagt die Druckertafeln, vernichtet eure Schrift,
Die allem Volk verdächtig, als wär's ein tödtend Gift,
Ergreift ein ander Handwerk, und gebt das Drucken
auf,
Dann sind wir Handel einig, hier meine Hand
darauf.«
Lang' steht Henricus Rumel, die Wang' wie Schnee so
bleich,
Das war aus heit'rem Himmel ein unheilschwang'rer
Streich,
Lang' steht er dort, dann rollt es ihm heiß vom
Angesicht:
»Herr Pankraz, dieses Eine kann ich erfüllen nicht.«
»Wohl lieb' ich eure Tochter, wie sie kein Zweiter
liebt,
Doch kann ich ab nicht lassen von dem was ich geübt,
Und mag mein Herz verbluten in namenlosem Gram,
Der Weisung muß ich folgen, die mir von Oben
kam.«
»Buchdrucker muß ich bleiben, so will es meine
Pflicht,
An der nun Lieb' und Hoffen, und all mein Glück
zerbricht,
Doch schuld ich dieß dem Meister, der mich die
Kunst gelehrt,
Dem Volk, dem ich entsprossen, dem väterlichen
Herd.«
»Buchdrucker muß ich bleiben, auf daß im deutschen
Reich,
Das Schöne nun gedeihe, so wie in keinem gleich;
Daß durch das Wort entfesselt, und frei von langer
Haft
Ausgeh' nach allen Zonen des Geistes ew'ge Kraft.«
»Drum bringt nun eurer Tochter mein letztes
Lebewohl,
So wie ich's euch jetzt sage, des inner'n Kummers
voll;
Und zürnet nicht der Thräne, die mir noch etwa fließt,
Und sorgt, daß sie vergesse den, der sie nie vergißt.«
Erstickt von heißen Thränen Herr Rumel spricht dieß
Wort,
Und eilt zerriss'nen Herzens vom reichen Pankraz
fort,
Allein wohin er eilet, mit noch so flücht'gem Schritt,
Der Harm ist sein Begleiter, den Gram, den nimmt er
mit.
Der folgt ihm allerwegen, der geht mit ihm in's Haus,
Aus seinem mruckerkasten schaut der auf ihn heraus,
Er geht mit ihm nach Nürnberg, wo er von nun an
weilt,
Jetzt nur der Kunst noch lebend, die nicht sein Sehnen
heilt.
So schwinden Monde, Jahre, der Gram bleibt ihm
getreu,
Doch wirkt und schafft der Wackre, ganz sonder
Furcht und Scheu,
Wie sehr auch Neid und Mißgunst nach ihm die
Krallen kehrt,
Er druckt so wie Johannes von Sorgloch ihn gelehrt.
Schon hat sich grau gefärbet sein Haupt im Lauf der
Zeit,
Doch hat sich auch verbreitet sein Ruhm im Lande
weit,
Geehret und geachtet ist er von Alt und Jung,
Doch ist sein Glück, sein einz'ges, nur die
Erinnerung.
Längst schon ist sie begraben für die sein Herz
erglüht,
Doch denkt er oft noch ihrer, mit Trauer im Gemüth,
Und als nach vielen Jahren der Herr auch ihn berief,
Da lispelte: Brigitte, er nochmals, und entschlief.
139. Paul Cruz zu Nürnberg.
P r ä t o r i u s Glückstopf. S. 177. G r i m m d.S. I., 48.
Zu Nürnberg ist einer gewesen mit Namen Paul Cruz,
der eine wunderbare Beschwörung gebraucht hat. In
einen gewissen Plan hat er ein neues Tischlein gesetzt,
ein weißes Tuch darauf gedeckt, zwei Milchschüßlein