Название | Herzkirschen |
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Автор произведения | Heinz Monheim |
Жанр | Языкознание |
Серия | |
Издательство | Языкознание |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783847670988 |
„Schau dir den Herrn Martens an, ein Mann von Welt, ein Typ zum Verlieben„“ sagte Maria schelmisch, während sie ihren Alfons in die Rippen knuffte.
„Ja, der Herr Martens, der ist einfach nicht zu übertreffen,“ meinte dieser, während er an seiner blauen Winzerschürze zupfte.
„Ich werde noch einen Spaziergang machen.“
„Ist gut, Herr Martens, sicher wollen Sie zu Ihrer Bank, aber da kann Sie doch der Alfons mit dem Unimog hinfahren, und Sie brauchen nur noch den Abstieg zu Fuß zu machen.“
„Das ist lieb von euch beiden, aber ich habe den Weg ein Leben lang zu Fuß gemacht, und so werde ich auch heute zu Fuß hinaufsteigen und wenn es das letzte Mal sein sollte.“
„Hören Sie auf, Herr Martens, Sie und das letzte Mal; Sie werden doch hundert Jahre alt, so rüstig, wie Sie sind. Aber sagen Sie doch zuerst meiner Mutter guten Tag, Sie wissen doch, wie sie sich immer freut, wenn Sie kommen, und seit Papa tödlich verunglückt ist, ist sie halt viel allein. Sie ist draußen im Stall bei ihren Tieren.“
„Danke für den Hinweis, Alfons, aber ich wäre selbstverständlich sowieso zu deiner Mutter gegangen, ehe ich hinaufgehe. Sorge doch dafür, dass sie ein wenig unter Menschen kommt. Vielleicht lernt sie dann einen neuen Lebensgefährten kennen. Es ist doch schade, wenn eine so gut aussehende Frau sich so früh im Leben in der Einsamkeit vergräbt.“
René Martens ging aus dem Haus über den Hof in den Stall, in dem sich Margret Bichler zur Unterhaltung und zur Zerstreuung einiges Kleinvieh wie Kaninchen und Enten hielt.
„Hallo Margret“, begrüßte er sie.
„Wie gut du ausschaust. Du wirst wohl immer jünger und hübscher. Wie elegant du selbst im Stall bist, wie magst du da erst ausschauen, wenn du zum Tanzen gehst.“
„Herzlich willkommen René, du alter Schmeichler. Von wegen jünger, fünfundfünfzig bin ich im letzten September geworden, und das weißt du ja ganz genau; hast mir doch Blumen und Pralinen geschickt. Was die Eleganz im Stall betrifft – du kannst dir doch denken, dass ich mich wegen dir ein bisschen zu Recht gemacht habe. Aber es ist so schön, dich wieder einmal zu sehen. Nur, was treibt dich um diese Zeit zu uns? Es ist Anfang Dezember, Schnee liegt noch keiner, und die Tage sind meistens grau und trübe und bringen wenig Freude.“
„Du siehst, Margret, heute ist ein herrlicher Sonnentag und wenn ich Glück habe, mit einmaliger Fernsicht. Außerdem muss man in meinem Alter die Etappen kürzer setzen, wer weiß, ob ich den nächsten Juli noch erlebe.“
„Ach René, mach keine Sprüche, einen Juli ohne dich, das gibt es einfach nicht. Juli und René, das gehört einfach zusammen wie die Trauben und der Wein. Ein Juli ohne dich wäre für mich in meiner jetzigen Einsamkeit eine schlimme Zeit. Ich weiß es noch wie heute, als du zum ersten Mal bei uns warst. Unsere selige Mama war fünfunddreißig Jahre alt, und ich war gerade vierzehn geworden. Mama sagte damals zu mir: „Schau Kind, das ist ein Mann, von dem man träumen kann.“ Wenn sie gewusst hätte, dass ich das schon seit dem Augenblick tat, als wir unsere erste Begegnung hatten. Ich habe nie im Leben darüber gesprochen, habe mich keinem Menschen anvertraut. Aber heute, als alte Witwe, die ich nach vierundzwanzig glücklichen Ehejahren geworden bin, denn glücklich war ich mit meinem Franz schon, wenn auch tief in meinem Herzen die Sehnsucht nach dir nie ganz verlosch - kann ich es dir ja anvertrauen. Ich war damals schrecklich in dich verliebt, mit all der Romantik und Träumerei, zu der ein vierzehnjähriges Mädchen fähig ist. Leidenschaftliche Liebesbriefe habe ich an dich geschrieben, die ich dann anschließend wieder verbrannte. Ich wollte in deinen Armen sterben und dir mit dem letzten Atemzug meine Liebe gestehen. Du kennst ja die romantischen Spinnereien von Mädchen in diesem Alter. Später, als du Simone kennenlerntest, war ich seltsamerweise nicht eifersüchtig, und meine Liebe wandelte sich in eine tiefe Freundschaft und Verehrung, in die ich auch Simone einschloss.“
„Ich weiß, Margret, Simone hatte damals mit den Augen einer Frau sofort gesehen, wie es um dich stand und ich weiß auch, dass sie dich sehr gern hatte. Deine reine und wahre Liebe, die du damals empfandest, war auch der Grund, warum du sie gesehen hast und so als einzige unser Geheimnis kanntest. Aber Margaret, schau mich an, und dann siehst du, was es für dich für ein Glück war, dass du mich damals nicht bekommen hast.“
„Nur keine falsche Bescheidenheit! Einem so rüstigen und dazu noch alleinstehenden Herrn schauen doch alle Frauen nach.“
„Ja, die über achtzigjährigen“, lächelte er sanft. Dann nahm er ihre Hände und hielt sie mit festem Druck: „Ich danke dir für diese späte Liebeserklärung, sie macht mich auch heute noch sehr glücklich. Du warst das schönste Mädchen aus dem ganzen Dorf und wäre ich damals zwanzig Jahre jünger gewesen - wer weiß, wie alles ausgegangen wäre.“ Er hob ihre Händel an seine Lippen: „Leb wohl Margret, du bist auch heute noch eine wunderbare Frau.“ Er küsste zart ihre Handrücken. Ehe er hinaus ging griff er in die Innentasche seines Mantels und holte den Brief heraus. Er reichte ihn, der ihn erstaunt ansehenden Frau: „Margret verwahre diesen Umschlag und öffne ihn erst wenn ich gestorben bin. In ihm befinden sich einige Formulare und Briefe auf denen ich einige Wünsche und Maßnahmen aufgeschrieben habe, welche Du mir dann erfüllen, beziehungsweise für mich erledigen musst. Es ist für mich ganz wichtig, dass du alles so wie ich es aufgeschrieben habe ausführst. „ Er gab ihr den Brief, den sie unschlüssig und nun wirklich erstaunt entgegennahm.“
„Aber René was soll das denn? So schnell