Der Weg nach Freeling. Samina Haye

Читать онлайн.
Название Der Weg nach Freeling
Автор произведения Samina Haye
Жанр Языкознание
Серия
Издательство Языкознание
Год выпуска 0
isbn 9783738024104



Скачать книгу

Anne wurde rot.

      „Na, was ist denn das für ein Prachtkerl? Der zieht dich ja schon fast mit den Augen aus, den darfst du nicht so einfach davon kommen lassen“, meinte ihre Kollegin Mia und stupste sie an.

      „Tha, ja, ja. Du wieder, das ist typisch für dich“, meinte sie kurz angebunden, nahm die Tasse und ging zurück zu ihrer Kundschaft.

      „Bitteschön. So, und was sollen wir nun bei Ihnen machen, welche Wünsche haben Sie?“, fragte sie höflich und er lächelte noch immer.

      „Hm, wie soll ich sagen? Bei meiner Frisur habe ich nur den Wunsch, dass die Haare ein bisschen kürzer werden“, sagte er und deutete ihr mit den Fingern, wie viel sie in etwa weg schneiden sollte. Er sprach aber gleich darauf weiter.

      „Und mein zweiter Wunsch ist es, Sie heute Abend zum Essen ausführen zu dürfen“, sagte er etwas leiser und wirkte auch ein bisschen schüchtern.

      Ja klar, schüchtern ist der falsche Ausdruck, denn eine Fremde zu fragen und sie zu einem Essen einzuladen ist nicht gerade wirklich schüchtern.

      Anne verschlug es erneut die Sprache und sie wusste nun wirklich nicht, was sie darauf antworten sollte.

      Er merkte das und entschuldigte sich.

      „Oh, es tut mir leid, ich wollte Sie nicht überfallen“, sagte er und stellte sich vor.

      „Mein Name ist Samuel, aber alle nennen mich Sam“, sagte er und reichte ihr die Hand, die Anne nach einigen Sekunden nahm und merkte, wie nervös sie wurde.

      „Hallo Sam, ich bin Anne. Ähm, ja, kein Problem, ich bin es nur nicht gewohnt, von einer fremden Person zum Essen eingeladen zu werden“, erwiderte sie mit grinsendem Gesicht. Er sah kurz zur Seite, da er merkte, dass ihre Kolleginnen flüsterten, und musste lächeln.

      „Oje, das wird heute wohl Gesprächsthema Nummer Eins sein bei Ihren Kolleginnen. Ich muss sagen, für gewöhnlich bin ich nicht so direkt und offen, und bitte gleich um ein gemeinsames Abendessen“, versuchte er zu erklären und redete weiter.

      „Aber ich habe Sie gesehen und irgendwie geschah etwas in dem Moment. Ich würde Sie sehr gerne näher kennenlernen“, sagte er offen und ehrlich zu ihr, und Anne sah verlegen zu Boden.

      „Das freut mich“, sagte sie schüchtern und sie merkte, wie ihr innerlich heiß wurde.

      „Heißt das, Sie nehmen meine Einladung zu einem gemütlichen Abendessen an?“, fragte er nun nochmal, und sie nickte.

      „Ja, sehr gerne, aber nur unter einer Voraussetzung“, sagte Anne. Sam wartete gespannt, was das denn wäre.

      „Bitte, können wir uns nicht duzen?“ Sam schmunzelte.

      „Oh, das wäre mir sehr recht“, meinte er kurz und bündig. Er drehte sich um und Anne machte sich nun daran, seine Haare zu schneiden.

      „Von wo kommst du denn? Ich habe dich hier bei uns noch nie gesehen“, fragte sie ihn, und er wollte ihr sofort darauf antworten.

      „Ich komme eigentlich auch von hier, bin in Luxemburg geboren und meine Familie wohnt immer noch da. Aber ich war jetzt für ein Jahr in Österreich auf Saison, wollte mal etwas anderes probieren und es war sehr lustig und interessant“, erklärte er ihr. Anne nickte. Nun dachte sie an Zoe und Lina und daran, dass es viele Menschen gab die es in fremde Länder verschlug. Sam merkte, dass Anne gerade in Gedanken schwelgte und sprach weiter.

      „Na, an was denkst du denn gerade?“, fragte er nach. Anne sah ihn an.

      „Oh, tut mir leid. Als du mir gerade erzählt hast, dass du für ein Jahr in Österreich warst, musste ich an meine zwei besten Freundinnen denken. Die sind auch erst vor kurzem ausgewandert, leider nicht nur nach Österreich, sondern an das andere Ende der Welt, nach Australien“, erzählte sie ihm. Sam lächelte sie an.

      „Oje, die zwei fehlen dir, oder? Du siehst traurig aus, wenn du über sie sprichst“, meinte er.

      „Ja, da hast du recht, sie fehlen mir total. Also irgendwie kommt es mir so vor, wie wenn wir uns schon ewig kennen“, sagte sie, und er sah sie etwas verwirrt an.

      „Wie kommst du denn darauf?“, meinte er mit einem schrägen Lächeln.

      „Ach, vergiss es, keine Ahnung.“ Anne föhnte und stylte ihm noch seine Haare und sagte in den letzten Minuten nichts mehr.

      Als er aufstand und mit ihr zur Kasse ging, sagte er:

      „Heute Abend um acht Uhr, in der Pizzeria Bella Napoli? Soll ich dich von zuhause abholen?“, fragte er sie freundlich. Doch Anne fand, es wäre anfangs noch besser, wenn er nicht wüsste, wo sie wohnte und antwortete ihm rasch.

      „Nein danke, du brauchst mich nicht abholen, ich komme selber zur Pizzeria“, meinte sie und fuhr fort.

      „Also sehen wir uns später um acht Uhr.“ Er nahm ihre Hand und küsste sie. Anne spürte, wie ihr heiß wurde und lächelte ihn an.

      „Bis später, ich freue mich auf den Abend mit dir.“

      Der sexy Typ verließ den Frisörladen, und Annes Kolleginnen begannen zu tratschen und zu lachen.

      Annes Tag verlief schnell und die Nervosität stieg an, je näher der Abend heran rückte.

      **

      Anne stand nun schon eine gefühlte Ewigkeit vor ihrem Kleiderschrank und wusste einfach nicht, was sie anziehen sollte.

      „Verdammt, ich habe nichts Passendes zum Anziehen“, jammerte sie vor sich hin und setzte sich verzweifelt aufs Bett.

      „Tja, wer rechnet auch damit einfach mal so von einem hübschen Mann zum Essen eingeladen zu werden?“ Sie sah in den großen Schrankspiegel und sprach mit ihrem Spiegelbild.

      Anne stand auf und nahm einen schwarzen Rock und eine helltürkise Bluse aus dem Schrank. Sie zog beides an und begutachtete sich im Spiegel, drehte sich ein paarmal im Kreis und musste lachen.

      „Ha, ich habe das richtige Outfit gefunden, das lasse ich jetzt an“, sagte sie und ging schnurstracks in das Badezimmer, um sich hübsch zu machen.

      Kurze Zeit später saß sie im Auto und machte sich auf den Weg zur Pizzeria. Anne drehte das Radio etwas lauter und sang zu dem Hit von Michel Telo – Ai Se Eu Te Pego mit, das tat ihr gut und so ließ ihre Anspannung etwas nach.

      Sie merkte nach einigen Fahrminuten, dass dieser schwarze Van schon wieder hinter ihr fuhr. Anne wusste nicht, was das sollte und wollte dem Fahrer deutlich machen, dass ihr das langsam zu blöd wurde. Sie stieg einmal fest auf die Bremse und der Van kam näher. Einige Sekunden später stieg sie nochmal heftig auf die Bremse, und nun blendete der schwarze Van auf.

      Anne reichte es, und sie begann zu hupen. Somit erreichte sie, dass das Auto bei der nächsten Kreuzung abbog.

      „Vollidiot“, schimpfte sie. Sie parkte vor der Pizzeria, sah nochmal in den kleinen Spiegel und puderte sich erneut die Nase.

      „Na dann schauen wir mal, was uns der Abend so bringt“, sagte sie, stieg aus und betrat wenig später die Pizzeria.

      Anne hielt Ausschau nach Sam, doch sie konnte ihn noch nirgends entdecken. Sie sah auf die Uhr und merkte, dass es zehn Minuten vor acht Uhr war.

      Der Kellner kam auf sie zu.

      „Guten Abend. Für wie viele Personen brauchen sie einen Tisch?“, fragte er freundlich und Anne lächelte ihn an.

      „Für zwei.“ Er führte sie in ein ruhiges Eckchen, wo ein Tisch für zwei Personen stand, und sie setzte sich. Anne bestellte sich ein Gläschen Wein und hoffte, dass Sam bald hereinkommen würde.

      Irgendwie hatte sie plötzlich ein komisches Gefühl. Was war. wenn er sie nur verascht hatte und er nun zuhause saß und sich über sie lustig machte?

      Doch als der Kellner ihr den Wein brachte und sie einen Schluck davon nahm, ging die Tür auf, und da stand er. Ihre