Название | Frankreich oh làlà |
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Автор произведения | Wolf Buchinger |
Жанр | Языкознание |
Серия | |
Издательство | Языкознание |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783750237872 |
Gleichzeitig mit Cousin Roberts lärmender Familie, die sich hinter ihm mit einer Kühltasche voller Getränke und Essen breit macht, kommen die ersten Reklamemotorräder vorbei. Eine rothaarige Dame in sehr kurzem Minirock sorgt für vereinzelten Beifall, denn sie posiert dekorativ auf einem Rücksitz und wirft breit lächelnd Bonbons für eine Lokalradiostation in die Menge. Die acht Motorradfahrer der Polizei, die in einem Konvoi mit voller Beleuchtung und Blaulicht zügig vorbeifahren, werden von Jugendlichen mit einem langgezogenen abfälligem "Buh" begrüßt. Bauer Mathieu kann wenigstens noch verhindern, dass Cousin Roberts achtjähriger Sohn Bonbons nach den Ordnungshütern wirft.
Es folgen Dutzende von Reklameautos, Lautsprecher auf dem Dach, aus denen sich widersprechende Angaben über die Positionen der einzelnen Fahrer jagen; mit dem Lärmpegel steigt auch die Spannung unter den zahlreichen Zuschauern.
Ein drei Meter hohes Modell eines Fertighauses wird vorbeigefahren, Hostessen verteilen aus Kleinbussen heraus Werbegeschenke. Kulis, Mützen und Aufkleber fliegen aus den Autos, vereinzelt werden sogar T-Shirts in die Menge geworfen.
Der Wagen des Tour-Chefs geht unter in den Dutzenden von Begleitwagen mit Ersatzfahrrädern auf dem Dach. Die erste Fernsehequipe rast vorbei, ohne dass die Kameras laufen; ein südamerikanischer Radioreporter wird mit großem Hallo begrüßt, denn deren Fahrer konnte bisher noch keinem französischen Starfahrer gefährlich werden; dagegen werden die belgischen, italienischen und spanischen Fahrzeuge mit gellenden Pfiffen bedacht.
Auffällig, mit Wimpeln und Girlanden geschmückt wird auf einem Tieflader ein riesiger Traktor vorbeigefahren; ein funkelnagelneues, mit allen Schikanen versehenes Modell, von dem Bauer Mathieu immer geträumt hat. Er möchte die Marke oder wenigstens die Firma feststellen, aber es gelingt ihm nicht, weil die beiden Söhne seines Cousins direkt vor ihm, wild die Fähnchen einer Fahrradfirma schwenkend, die französischen Begleitautos begrüßen. Er hievt sich ruckartig aus seinem Campingstuhl, will auf die andere Seite der Brücke, kämpft sich mühsam durch die erboste Zuschauermenge, wundert sich, dass alle plötzlich laut Beifall klatschen und die Namen der französischen Rennfahrer schreien, kommt schließlich auf der gegenüberliegenden Seite an - aber sein Traumtraktor ist längst hinter der nächsten Kurve verschwunden. Ihm bleibt nun noch das Feld der mehr als zweihundert Rennfahrer - von hinten.
Innerhalb weniger Sekunden waren sie durchgefahren, gefolgt vom Pulk der Versorgungswagen und von mehreren Hundert Amateurfahrern, die, wie jedes Jahr, versuchen, wenigstens einen Teil der Tour de France-Strecke mit ihren großen Vorbildern mitzuhalten.
Trotzdem klemmt Bauer Mathieu zufrieden den Campingstuhl und eine Weinflasche unter den Arm und trottet nach Hause. Er hat seinen Traktor gesehen, den er sich nie leisten können, von dem er aber sicherlich noch lange träumen wird.
La Grande Nation und die Liebe
Oh làlà – l’amour: So raunten die Kenner noch vor wenigen Jahren hinter vorgehaltener Hand, wenn der Name »Paris« erwähnt wurde. In der Provinz war schon damals nichts los, sieht Mann von den Fast-Sex-Betrieben in den Hafenstädten ab.
Der Can-Can im »Moulin Rouge« wurde bald in jedem mexikanischen Hinterzimmer kopiert, Pigalle hatte Parkplatzprobleme für die vielen Reisebusse mit Kegelclubs, und die haushohen Neonreklamen zeugten von einer florierenden Industrie mit der begehrten Ware Sex, wo für gewisse Live-Acts Monate im Voraus gebucht werden musste.
Alles vorbei.
Der Männerclub fliegt heute nach Ibiza oder Beverly Hills. Bangkok ist jetzt schon hundertmal größer, und ins »Moulin Rouge« verirren sich nur noch ein paar Japaner, die kommen müssen, weil schon ihre Großväter undurchsichtig geschaut hatten, wenn sie sich ihrer ersten nackten westlichen Busen erinnerten, die sie aus achtzig Metern Entfernung hatten sehen dürfen.
Pigalle zerfällt und wird heute Haus um Haus von arabischen Großfamilien erobert und an Stelle von Kondomen in Form von Weihnachtsmännern und aufblasbaren Gummipuppen gibt es nun im selben Laden Teekannen und Harissa.
Das Einzige, was an alte verruchte Zeiten erinnert, sind die zahlreichen Video-Shops, tagsüber von gelangweilten, unpersönlichen und kaugummikauenden Girls bedient und nachts dank Kreditkarten als Automatenladen funktionierend. Hier holt sich meist der Junggeselle für wenig Geld einen Hardcore-Porno, den es im biederen französischen Fernsehen auch nach Mitternacht nicht geben darf.
Der Rest ist wie in der Provinz; Mann tut seine Pflicht, die Frau ebenfalls, das statistische Resultat ist ernüchternd wie in den meisten anderen europäischen Ländern: Die Geburtenrate wird von den Südländern erfüllt.
Doch einen kleinen Freiraum hat sich der zeugungsfähige Teil der Franzosen erhalten: Im Lande der maximalen persönlichen Freiheiten schickt er seine Kinder am Morgen des Samstages in die Schule; dann können Maman und Papa nicht nur in aller Ruhe einkaufen, sie können auch ungestört das tun, wozu ihnen im Stress während der Woche selten Zeit bleibt.
Frühling - wo?
Vom Eise befreit glänzen Kühlschrank-
und Autowracks am Waldrand.
Schnepfen fallen vom Himmel
getroffen vom Schrot eines halbblinden Greises.
Erstes Grün wird umgepflügt
und zweifach mit Gülle übergossen.
Blaue Gauloise-Verpackungen
ersetzen Veilchen im Gras.
Restaurants stellen die Tische für Touristen raus
und erhöhen die Preise.
Pierre sitzt beim Aperitif
und lässt dabei den Motor seines alten 2CV‘s laufen.
Es ist Frühling
in Frankreich.
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