Tingeln durch das Land Danach – Band 1. Eike Borchers

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Название Tingeln durch das Land Danach – Band 1
Автор произведения Eike Borchers
Жанр Языкознание
Серия
Издательство Языкознание
Год выпуска 0
isbn 9783991077435



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      Inhalt

       Impressum 2

       Gliederung 3

       Prolog 4

       Teil I - In der Baracke 12

       1 - Die Umsetzung 13

       2 - Neue Spiele, neue Freunde 27

       3 - Der Alte und sein Sohn 58

       4 - Vater, Mutter, ich 115

       5 - Wandertag in Kinderland 157

       6 - Mein Ort: das Fenster am Fluss 202

       7 - An der Laternengrenze 222

       8 - Die Feuerschaukel 230

       9 - Naturgewalten 237

       10 - Sommersonnentage 248

       11 - Die Krähe 285

       Teil II - Zwischen Ruinen 293

       1 - Abschied und Ankunft 294

       2 - Ausschulung und Einschulung 310

       3 - Prügelerotik 339

       4 - … sondern für das Leben lernen wir 350

       5 - Knabenführer und Kriegserzähler 366

       6 - Einer wird vom Band genommen 399

       7 - Der letzte Tango 424

       8 - Der Pauker 446

       9 - Das Varanasi-Sonett 484

      Impressum

      Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

      Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie­.

      Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.d-nb.de abrufbar.

      Alle Rechte der Verbreitung, auch durch Film, Funk und Fern­sehen, fotomechanische Wiedergabe, Tonträger, elektronische Datenträger und ­auszugsweisen Nachdruck, sind vorbehalten.

      © 2022 novum publishing

      ISBN Printausgabe: 978-3-99107-742-8

      ISBN e-book: 978-3-99107-743-5

      Lektorat: Mag. Eva Zahnt

      Umschlagfoto: Olgers1, Anna Artamonova, Marsia16, Rostislav Glinsky | Dreamstime.com

      Umschlaggestaltung, Layout & Satz: novum publishing gmbh

       www.novumverlag.com

      Gliederung

      Band 1

      Teil I - In der Baracke

      Teil II - Zwischen Ruinen

      Band 2

      Teil III - Auf dem Bau und in Fabriken

      Teil IV - Spuren und Erbschaften

      Prolog

      8. Mai 1945: Nazi-Deutschland – das war das Land Davor – kapitulierte bedingungslos. Gut zwölf Jahre hatten gereicht, um den Super-GAU der westlichen Zivilisation herbeizuführen. Jetzt war er gestoppt und unter Kontrolle gebracht. Aus dem Land Davor wurde an jenem Tag mit einem Schlag das Land Danach. In diesem Land wuchs ich auf.

      Am 8. Mai 1945 war zwar Nazi-Deutschland zusammengebrochen, aber die Menschen, die Nazi-Deutschland geschaffen, getragen und erlitten hatten, waren noch da. Sie lebten neben mir, waren um mich herum, sie erzogen mich, sie verpassten mir meine Bildung und gestalteten insgesamt mein Leben. Das waren die „Erwachsenen“, mit denen ich als Kind zu tun hatte, die „Alten“ im Land meiner Kindheit.

      Einführung

      (1) Anmerkungen zum Text

      „Tingeln“, ein Wort aus meiner Kindersprache, hieß für mich Umherstreifen in Landschaft und Natur oder auch Stromern durch Gassen und Straßen, über Plätze und Märkte. „Tingeln“ empfand ich immer als leichte und beschwingte und doch auch sehr wache und aufmerksame Form der Weltwahrnehmung. Einstmals war es das Fahrend Volk, das durch die Lande tingelte.

      Die „verstörte Zeit“: Millionen deutscher Männer waren im Krieg umgekommen, Millionen kamen körperlich und psychisch verkrüppelt zurück. Hunderttausende waren in den Bombennächten getötet oder beschädigt worden. Es gab kaum eine Familie im Land Danach ohne Verlust, Leid und Trauer. Dass all das um mich war, war mir früh bewusst.

      Beim Aufschreiben meiner Erinnerungen stellte ich mir Deutschland in der Gewalt der Nazis als einen monströsen Monolithen vor: alle Menschen in Nazi-Deutschland waren in ihn eingeschmolzen, waren Gefangene ihrer Zeit – als Täter wie als Opfer. Alle waren umschlossen von der harten, kalten Masse aus Terror, Mord und Krieg.

      Der Hammer der Alliierten zertrümmerte die Monstrosität und legte alle Figuren aus dem Land Davor frei. In den Nazi-Scherben und -Splittern der Vierziger, Fünfziger und Sechziger Jahre waren sie alle noch da – die Mörder und Zerstörer, die Opportunisten und „Märzgefallenen“, die vielen, die litten, die Apathischen … aber auch die, die sich innerlich widersetzt oder gar aktiv Widerstand geleistet hatten. Dass sie unerkannt neben mir lebten, auch das war mir früh bewusst.

      ***

      Als ich die Muße fand zu schreiben, saß ich erst einmal vor dem leeren Blatt, das des ersten Satzes harrte. Ich wollte möglichst spontan und ungeplant in meine Erinnerungen eintauchen und „wartete“ auf die erste Eingebung, denn genau damit wollte ich beginnen.

      Die erste Erinnerung, die mir kam, war meine Fahrt als fünfzehnjähriger Schüler zum Arbeitsamt Dortmund. Damit war zugleich der gesamte erste Erzählstrang vorgegeben: meine lange „Malocherzeit“ in den Bierfabriken und auf dem Bau in der ramponierten Kohlenpottstadt. („Auf dem Bau und in Fabriken“)

      Auf die „Malocherzeit“ folgte der Erzählstrang mit den Erinnerungen an meine Schülerzeit im zertrümmerten Dortmund. („Zwischen Ruinen“)

      Die Kernzeit meiner Kindheit ist ohne Zweifel die „Barackenzeit“. Hier stoße ich durch zu meinen Anfängen. Das war einerseits eine dunkle und schwere Zeit – und andererseits eine besonnte, lichte Epoche meiner Kindheit, die bis heute in mir nachglüht. („In der Baracke“)

      In meiner Studienzeit im ramponierten West-Berlin folge ich den Spuren meiner Mutter und entschlüssele die leidvolle Geschichte meiner mütterlichen Familie („Spuren und Erbschaften“).

      Durch alle Erzählstränge zieht sich ein Thema, das mich in der Zeit meines Aufwachsens immer begleitete: das Lebensrätsel meines Vaters, seine Geschichte, die er vor seinen Kindern geheim hielt. Ich entschlüsselte das Rätsel erst spät, in meinen Zwanzigern. Danach lag seine Geschichte eingekapselt in einer unterirdischen Kammer meines Bewusstseins, ich mochte sie über sehr lange Zeit nicht nach „oben“ holen.

      Allerdings: ohne Kenntnis dieser zentralen Geschichte wären viele meiner Erzählungen unvollständig und unverständlich geblieben. Ganz am Ende meines langen Erinnerungsprotokolls traue ich mich dann doch noch, die Geschichte, die uns Kindern nie