Handbuch der Sprachminderheiten in Deutschland. Группа авторов

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Название Handbuch der Sprachminderheiten in Deutschland
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Жанр Документальная литература
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Издательство Документальная литература
Год выпуска 0
isbn 9783823302346



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und andere zur nordfriesischen Sprache wurden in Angriff genommen. In den Jahren nach 1840 entwarf Pastor Christian Feddersen aus Wester-Schnatebüll ein Programm für eine friesische Sprach- und Nationalbewegung. Hierin kam er zu der Überzeugung, weder Deutscher noch Däne zu sein, sondern Nordfriese. Dieser Ansatz kam jedoch zu spät. Der nationale Gegensatz zwischen Deutsch und Dänisch, der etwa 1840 aufbrach, hatte inzwischen auch Nordfriesland erreicht. Für eine friesische Sonderentwicklung blieb kein Raum.3

      Nach einem ersten, gescheiterten Versuch im Jahre 1879, einen nordfriesischen Verein zu gründen, wurde 1902 der Nordfriesische Verein für Heimatkunde und Heimatliebe ins Leben gerufen. Das Interesse des Vereins galt am Anfang hauptsächlich der nordfriesischen Geschichte, Natur- und Volkskunde.

      Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zwischen dem Nordfriesischen Verein und dem 1923 gegründeten Friesisch-schleswigschen Verein zum Streit über den Status der Nordfriesen. Während der Friesisch-schleswigsche Verein die Friesen als eine nationale Minderheit innerhalb Deutschlands sah, der eine rechtliche Sicherung für die Erhaltung und Förderung der friesischen Sprache und Kultur zugebilligt werden sollte, vertrat der Nordfriesische Verein die Ansicht, dass die Friesen aufgrund der jahrhundertelangen Bindung an die deutsche Hochsprache und Kultur letztlich Deutsche geworden wären. Der Status einer nationalen Minderheit wurde abgelehnt, auch wenn man sich für eine Förderung friesischer Sprache und Kultur einsetzte.

      Trotz des Streites entwickelten sich die folgenden Jahre zu einer Blütezeit der friesischen Sprachpflege. 1928 wurde wöchentlich in allen Schulen des Sprachgebietes eine Friesischstunde erteilt. Ab 1933 ließ diese Arbeit aber allmählich nach und kam nach 1939 weitgehend zum Erliegen.

      Nach dem Zweiten Weltkrieg flammte die deutsch-dänische Auseinandersetzung wieder auf und beeinträchtigte noch einige Jahrzehnte die Bemühungen um das Friesische. Heute hat der Konflikt stark nachgelassen. Die einzelnen friesischen Vereine respektieren gegenseitig die unterschiedlichen nationalpolitischen Standpunkte und arbeiten jetzt im Interesse der gemeinsamen Sache zusammen.4

      Infolge der deutsch-dänischen Auseinandersetzung galt zum Teil die Maxime, dass es keine „friesischen“ Friesen, sondern nur deutsche oder dänische Friesen geben könne. Der deutsche Staatsbürger friesischer Herkunft musste sich also zum Deutschtum oder zum Dänentum bekennen. Für ein eigenes Friesentum blieb kein Platz. Damit wurde der Friese gezwungen, eine zusätzliche nationalpolitische Komponente in seine Identität aufzunehmen, obwohl einige dies ablehnten.5 Trotz der nationalpolitischen Uneinigkeit blieb der Grundgedanke eines friesischen Stammes erhalten, und die sich befehdenden Seiten verfolgten in Bezug auf die Sprach- und Kulturarbeit weitgehend dieselben Ziele.

      Um die Bemühungen um die friesische Sprache und Kultur nicht länger unnötig zu belasten, haben sich die unterschiedlichen friesischen Fraktionen auf die Bezeichnung „friesische Volksgruppe“ geeinigt, um sich von der nationalen dänischen Minderheit zu unterscheiden, die eine Nation bzw. einen Staat im Hintergrund hat. Dieser Kompromiss scheint allgemein akzeptiert zu sein.

      Der pan-friesische Gedanke ist ein weiterer Aspekt der friesischen Identität. Das Bewusstsein einer Zusammengehörigkeit von West-, Ost- und Nordfriesland ist bereits im 17. Jahrhundert belegt. Eine tatsächliche Kontaktaufnahme zwischen Nord- und Westfriesen scheint erst ab etwa 1850 erfolgt zu sein.6 Hier ging man von dem Grundgedanken einer einstigen großfriesischen Einheit aus. Zu Ostfriesland wurden erst später Verbindungen geknüpft. Der erste Friesenkongress, an dem Vertreter aller drei Frieslande teilnahmen, fand 1925 in Jever statt. 1930 wurde nach vielen Verhandlungen der Friesenrat gegründet. Nach Wiederaufnahme der interfriesischen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1952 erneut ein Friesenkongress durchgeführt. Seitdem findet er alle drei Jahre abwechselnd in den drei Frieslanden statt. Beim Kongress 1955 in Aurich wurde das „friesische Manifest“ verkündet, das erstmalig eine gemeinsame Grundsatzerklärung aller drei Friesenstämme darstellt. 1956 wurde der Friesenrat, inzwischen auch Interfriesischer Rat genannt, neu gebildet, der heute aus den Sektionen Nord, Ost und West besteht.7 2006 wurde eine „Interfriesische Erklärung“ auf der Mitgliederversammlung des Interfriesischen Rates in Leck angenommen. Anlässlich des Friesenkongresses in Leer 2009 ist eine interfriesische Fahne eingeweiht worden (Rickmers 2011).

      Die Beziehungen zwischen den drei Frieslanden werden durch verschiedene Veranstaltungen – wie Treffen friesischer Bauern, Kommunalpolitiker, Frauen usw. – gefördert.8 Ferner findet alle drei Jahre die Sternfahrt der Friesen nach Helgoland statt. Der seit 1956 ebenfalls alle drei Jahre stattfindende Philologenkongress in Ljouwert/Leeuwarden, Westfriesland wurde 2018 durch die „First Conference on Frisian Humanities“ abgelöst.

      Im Versuche, die wichtigsten Identitätsmerkmale der Nordfriesen herauszufinden, wurde 2004/05 eine Untersuchung zum Thema „Heimat“ durchgeführt, die zu einem „Kanon friesischer Kultur“ führte. Hier werden als wichtige identitätsbestimmende Faktoren die Herkunft, der maritime Charakter von Landschaft und Klima, kulturelle und historische Besonderheiten sowie die Sprachenlandschaft postuliert (Kunz/Steensen 2005, Steensen 2011a).

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