Gargoyles. Maria Spotlight Bennet

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Название Gargoyles
Автор произведения Maria Spotlight Bennet
Жанр Языкознание
Серия
Издательство Языкознание
Год выпуска 0
isbn 9783985103010



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sicheren Plätze. Am besten fliegst du rüber zur St. Paul’s Cathedral und siehst nach, ob sie sich dort aufhält.“

      Ash war wütend. Er hatte nicht einmal die Chance bekommen, sich ordentlich hinzusetzen und nach einem harten Tag etwas zwischen die Zähne zu kriegen. Jetzt musste er auch noch nach seiner abenteuerlustigen Schwester suchen gehen. Er stand auf, sein Stuhl quietschte mit dem missgünstigen Ton, den er beabsichtigt hatte zu erzeugen, über den Boden. Viktors Haltung hatte ihm zu verstehen gegeben, wo sein Platz war und was verdammt noch eins seine Aufgabe war. Erneut den Babysitter für seine Schwester zu spielen.

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      Der Fluch der Hexe

      Tabitha und Abigail Lane waren zwei Schwestern, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Sie lebten gemeinsam im Haus ihrer verstorbenen Mutter in einem Ort, den man Salem nannte. Salem, im schönen amerikanischen Staate Massachusetts, sollte später in die Geschichtsbücher als der Platz eingehen, wo die meisten Hexenprozesse stattfanden und man zahlreiche Frauen der Hexerei bezichtigte, sie verurteilte und sie schließlich bei lebendigem Leib auf dem Scheiterhaufen verbrannte. Salem würde später zum Geburtsort der Hexenverfolgung ernannt werden. Was im Jahre 1602 in dem Örtchen noch keiner ahnte, es gab tatsächlich zwei Hexen unter der Bevölkerung. Abigail stand für das Gute, sie war eine Augenweide für jeden Mann, hatte goldblondes Haar und strahlend blaue Augen und jede der einheimischen Frauen beneidete sie. Tabitha stand ihrer Schwester in Sachen Schönheit in nichts nach. Ihr Kopf war von rabenschwarzem Haar bedeckt und und in ihren Augenhöhlen funkelten tiefgrüne Smaragde, aber in ihrem Herzen herrschte eine arktische Kälte. Mit ihrer düsteren Aura konnte sie Menschen schon fast töten. Abigail liebte lange Spaziergänge an der freien Natur, ihre Schwester ging oft nur nach draußen, wenn es blitzte und donnerte, dass man meinen konnte, die Hölle hätte sich aufgetan. Ja, sie hatten nichts gemeinsam, bis auf eine Kleinigkeit. Sie waren beides Hexen. Abigail diente dem Guten, sie benutzte ausschließlich weiße Magie. Trotz dass viele sie um ihr blendendes Aussehen beneideten, schenkte sie den Menschen immer ein fröhliches Lächeln. Sie pflanzte Hoffnung in die Herzen, deren Böden schon erkaltet waren. Tabitha wurde gemieden wie die Pest, die Dorfbewohner verachteten sie, und die Geschichten, die man sich über sie erzählte, flößten Kindern das nackte Grauen ein. Wie der Zufall es so wollte, hatten sie beide ein Auge auf denselben Mann geworfen. George Steam war als Künstler in Salem bekannt. Ein eher hagerer, unscheinbarer Mann, dessen Gesicht von einer Sehhilfe geziert war. Er war Bildhauer und hatte den Leidensweg Christi für die lokale Kirche in Stein gemeißelt. George war ein Freigeist. Er hatte nicht viel übrig für die Welt außerhalb seiner Werkstatt. Doch Abigails unüberwindbarer Charme ließ selbst ihn dahinschmelzen. Wäre da nicht ein kleiner Teufel namens Tabitha gewesen. George wusste, dass es falsch war, Gefühle für zwei Frauen zu hegen und so suchte er Trost in weiterer Arbeit. Er werkelte Tag und Nacht an großen Steinblöcken, bearbeitete sie mit Hammer und Meißel. Trotz der schweißtreibenden Arbeit ließen ihm seine Gedanken um die beiden Frauen keine Ruhe. So floss der Schmerz, den er über seine missliche Lage empfand, in seine Kunst mit ein. Bewaffnet mit seinem Werkzeug formte er massive Skulpturen aus dem Gestein. Sie hatten Flügel, die zunächst wie die eines Engels aussahen, und liebliche Gesichter dazu und er nannte sie Gargoyles. An einem Juninachmittag lud George Abigail in seine Werkstatt ein. Die gute Hexe hatte ihre Gefühle für den Bildhauer vor ihrer eifersüchtigen Schwester geheim gehalten. Sie ahnte aber nicht, dass Tabitha sich bereits mehrere Male mit George getroffen und er ihr heimlich den Hof gemacht hatte. In der Blase ihrer Illusion gefangen, führte George seine Angebetete an diesem Nachmittag zu seinem Schaffensort und präsentierte ihr stolz sein neuestes Werk. Zwölf Steinfiguren, so hoch und breit wie Menschen selbst, reihten sich vor Abigails Augen auf und ließen sie in einen Status des Staunens verfallen.

      „Und wie gefallen sie dir?“, fragte George seine heimliche Liebe.

      Abigail lief an den Skulpturen vorbei. Ihre zarten Hände berührten das Material, schlagartig spürte sie die hingebungsvolle Liebe und die Leidenschaft, mit der sie gefertigt worden waren.

      „Oh George, sie sind einfach wunderschön. Ich kann mich nicht daran entsinnen, je etwas so Prächtiges erblickt zu haben.“

      Jede der Figuren war in ihrer Machart anders und somit einzigartig. Ein Detail verband sie jedoch, ihre engelsgleichen Flügel auf ihren Rücken. Ein Merkmal, das hervorstach, das sie von anderen Skulpturen anderer Künstler massiv unterschied und sie zu etwas Besonderem machte. Ihre Gesichter waren von George mit perfekter Präzision bearbeitet worden, man bekam in ihrer Nähe das Gefühl, als stünde man vor einem Gott, der von purem Licht umgeben war.

      „Ich habe ihnen sogar Namen gegeben“, sagte George und lief auf die beiden vordersten Figuren zu, die offenkundig männlichen Geschlechtes waren, „diese beiden hier heißen Viktor und Orgun“, meinte er stolz und seine Brust hob sich dabei.

      „Und diese beiden Schönheiten“, führte er fort und deutete auf die weiblichen Figuren, die hinter Viktor und Orgun standen, „habe ich Lavendia und Augustine getauft.“

      Abby ließ den Moment auf sich wirken.

      „George, deine Kunst ist so inspirierend, doch ich fürchte, in Salem wird niemand von ihnen Notiz nehmen. Schlimmer noch, vielleicht werden die Leute dich für einen Ketzer halten und dich töten“, in Abigails Stimme lag Furcht. Sie wollte George um keinen Preis verlieren, ebenso wenig wie er sie.

      „Was schlägst du also vor?“, fragte der Künstler.

      „Wir müssen sie aus Salem herausschaffen. Hier ist nicht der richtige Ort für deine Kunst. Glaub es mir oder nicht, ich habe das Gefühl, dass es in Salem schon bald zu Unruhen kommen wird. London ist eine große Stadt mit vielen gebildeten Leuten. Ich kenne dort jemanden, der eventuell Interesse an deinen Skulpturen haben könnte. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass sie die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen.“

      „Oh Abigail“, jauchzte George, ging zu ihr rüber und legte seine rauen Handwerkerhände um ihre zarten Elfenfinger, „du bist so gut zu mir, wie habe ich das nur verdient? Dein Plan klingt durchaus gut, aber er würde eine Unsumme an Geld verschlingen, das ich leider nicht habe.“

      „Überlass das nur mir, Liebster“, fügte sie schlussendlich hinzu, ehe die beiden einander küssten und Abschied nahmen. Abigail wies George an, niemandem sonst von seinen Gargoyles zu berichten. Mithilfe von loyalen Freunden schaffte Abigail die Skulpturen über Nacht aus Georges Werkstatt und buchte ein Schiff nach London zur Überfahrt. Die Gargoyles als Fracht verladen, setzten George und Abigail am Morgen des 26. Junis im Jahre 1602 Segel nach London. Niemand der Besatzung ahnte, dass sie einen blinden Passagier bei sich hatten, der dem liebenden Paar ihr Glück rauben und an die Krähen verfüttern würde.

      Drei Tage dauerte die Überfahrt. Eine Zeit, in der George und Abigail von wohligem Glück begleitet waren. Nicht zuletzt, weil die gute Hexe ein kleines Geheimnis unter ihrem Herzen trug, welches sie dem Künstler nach ihrer Ankunft in der Stadt mitteilen wollte. Londons Hafen stank nach Fisch, der salzigen Seeluft und dem fauligen Atem der Menschen. Als Abigail und George ihre Kajüte verließen, drang wildes, ungehobeltes Pöbeln der Seemannsleute an ihre Ohren. Die Möwen zogen hoch oben in der Luft ihre Kreise, erfüllten sie mit ihrem Kreischen, das wie ein Sägeblatt über Stein geschliffen klang. Sie tummelten sich auf den Balken der vielen Anlagebrücken und spekulierten darauf, dass ein unvorsichtiger Seemann irgendwo einen Fisch fallen ließ. Die raue Anlegestelle lag schon bald hinter George und Abigail, die sich in Richtung Stadt aufmachten. Die gute Hexe hatte dem Direktor des Museums of Art geschrieben und ihn um ein Treffen gebeten. Sie hatte Georges Kunst in den höchsten Tönen gelobt. Ihm selbst erschien seine Situation noch zu surreal, etwas, das nicht von Menschenhand, sondern von Magie gelenkt wurde. Am erwählten Treffpunkt luden die Arbeiter Georges Skulpturen von den Wägen und trugen sie ins Innere des Gebäudes. Es ging für die Gargoyles tief hinab in das Kellergewölbe. Versteckt unter Linondecken stellten die Arbeiter, die beim Verladen ziemlich ins Schwitzen gekommen waren, die Figuren schließlich eine nach der anderen ab. Der Direktor war schon vor Ort. Georges Augenblick war gekommen, er enthüllte seine Kunstwerke. Der Direktor, ein dickbäuchiger Mann namens Andrew