Название | Gargoyles |
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Автор произведения | Maria Spotlight Bennet |
Жанр | Языкознание |
Серия | |
Издательство | Языкознание |
Год выпуска | 0 |
isbn | 9783985103010 |
„Eine unvollständige Legende, Freya“, redete Ash Freyas Gedanken klein. „Höchstwahrscheinlich etwas, das nicht existiert. Es wurden Seiten aus dem Buch gerissen, Schwester, und Jahrhunderte lang haben beide Klans versucht, die fehlenden Stücke zu finden und sind gescheitert. Und dann kam der atomare Krieg, vermutlich sind die restlichen Teile dadurch vernichtet worden.“
„Und was, wenn nicht?“, warf Freya auffordernd ein. Die Frau mit den Teufelsflügeln auf ihrem Rücken hatte in jenem Moment, in dem sie Alex Lane sah, eine tiefe Verbindung zu ihm gespürt. Sie war von ihm angezogen worden wie die Motte vom Licht und sie empfand, dass es damit mehr auf sich haben musste, als ihr Bruder ihr weiszumachen versuchte. Ash ging erneut auf seine Schwester zu, sein Unmut war etwas abgeklungen, brodelte aber noch unter seiner Schale. Er legte mit leichtem Nachdruck seine Hände um ihre Schultern.
„Freya, unsere Spezies wird die Quelle von Samhain nie finden. Das müssen wir akzeptieren. Es sind schon zu viele Jahrhunderte vergangen, in denen sich diesbezüglich nichts getan hat. Diese Legende ist wertlos und setzt nur Staub im Bücherregal an. Was deine nächtlichen Wanderungen betrifft, ich werde dich nicht maßregeln und an die Leine nehmen wie unser Vater es gerne hätte. Aber ich appelliere an deine Vernunft. Dort draußen tobt ein Krieg, bitte werde nicht auch noch du eines seiner Opfer. Bleib hier, in Sicherheit und beuge dich den Wünschen unseres Vaters. Ich bitte dich als dein Bruder, denn an meinen Händen klebt schon zu viel Blut.“
Ash drückte Freya einen sanften Kuss auf die Stirn. Er überragte seine Schwester um einige Zentimeter, obwohl er jünger als sie war. Er ließ sie in ihrem riesigen Zimmer zurück. Ein Außenstehender hätte nicht verstehen können, weshalb Freya von hier flüchtete. Sie hatte alles, was man sich wünschen konnte. Ein großes Bett, schicke Kleidung, die ordentlich sortiert im begehbaren Schrank hingen, eine Kommode mit mehreren Spiegeln, in denen sie ihr perfektes Äußeres pflegen konnte, Luxus ohne Ende. Aber in ihrem Herzen war Freya nicht glücklich. Das Materielle sollte nur einen trügerischen Schein wahren. Ashs Worte rasten durch ihren Kopf, blieben an den sensiblen Bereichen in puncto Hinweise und Wahrheitsfindung hängen und legten dort einen Schalter um. Ein fehlendes Stück, eine Prophezeiung, die bis jetzt ins Leere geführt hat. Sie wies auf einen Schlüssel hin. Was, wenn dieser Mann der Schlüssel war oder ihn gar besaß? Freya hatte ihrem Bruder zwar tief in die Augen geblickt, als dieser sie zur Vernunft hatte treiben wollen, aber ihr Inneres hatte sich in dem Moment in zwei Hälften geteilt. Die eine Seite, die dem fürsorgenden Bruder eine verständnisvolle Mimik vorgaukelte, und die andere, welche schon einen Plan ausheckte, der Sache weiter auf den Grund zu gehen. Und Freya wollte Antworten.
Alex kam schwitzend und keuchend auf seinem Zimmer an. Er hechelte wie ein Hund, dessen Herr ihn unbarmherzig getrieben hatte. Spielte sein Verstand ihm einen üblen Streich? Oder war es real, was er zuvor in der St. Paul’s Cathedral erlebt hatte? Oder doch nur einer von diesen beängstigend real wirkenden Tagträumen? Aber er tagträumte nie, war mit seinem Herz und seinem Verstand immer im Hier und Jetzt. Was könnte dann Schuld an diesem Albtraum gewesen sein? Ihm kam ein schlimmer Gedanke. Konnten es die Auswirkungen seiner letzten Ausschweife auf der Studentenparty gewesen sein? Aber er hatte den Joint doch abgelehnt, und das, obwohl Terry den verführerisch rauchenden Glimmstängel immer wieder unter Alex Nase gehalten hatte und ihm sagte „Alter, nur einen Zug und du wirst dich fühlen wie ein König.“
„Nein, Mann, echt nicht!“
„Dein Pech. Du verpasst was, nicht ich.“
Scheiße! Aber der Rauch war ihm passiv in die Nase gestiegen und davon war ihm schon fast schlecht geworden. Alex gehörte nicht zu denen, die während ihrer Schulzeit und auch noch danach mit Drogen experimentierten. Er hatte den Tod in Form einer winzigen Pille niemals angerührt, weder auf der Highschool noch auf dem College und schon recht nicht auf der Uni. Vor Jahren hatte er bei einer Feier über die Stränge geschlagen und es war ihm eine Lehre gewesen. Nach Dutzenden Drinks hatte das Mädchen, welches er eigentlich nicht leiden mochte, verdammt sexy ausgesehen und Alex war mit ihr im Bett gelandet. Als er am nächsten Morgen neben der Bratze aufgewacht war, hätte er sich am liebsten seinen Arm, auf dem sie ihren fettigen und nach Qualm stinkenden Schädel abgelegt hatte, abgebissen. Seitdem hatte er sich geschworen, die Finger von allem Bewusstseinsverändernden zu lassen. Und nun war er in diese äußerst seltsame Begegnung mit diesen, nennen wir sie mal Wesen verwickelt. Er hatte nicht geträumt, so etwas konnte man nicht träumen. Seine Augen hatten bei vollen Bewusstsein und klarem Verstand ihre Flügel gesehen. Er versuchte sich einzureden, es wäre nur ein Streich. Irgendwelche Kids, die einen auf Cosplay machten. Nur, dass zurzeit keine Kostümfestivals stattfanden und, was noch viel wichtiger war, die Flügel der beiden Kreaturen hatten verdammt echt ausgesehen. Alex Stirn war mit kaltem Schweiß bedeckt, sein Haaransatz war feucht, als hätte er ihn nach dem Duschen lediglich kurz durchgeföhnt. Nachdem die beiden Wesen verschwunden waren, hatte auch er seine Beine in die Hand genommen und war den gesamten Weg zu seiner Wohnung zurück gehechtet. In seinem Nacken hatte die blanke Furcht gesessen und ihn angetrieben. Im Wohnheim angekommen, hatte er hektisch seinen Schlüssel hervorgezogen und war förmlich mit der Tür in sein Zimmer gefallen; hatte keine Zeit gehabt, den Lichtschalter anzumachen. Und so war sein Zimmer nun dunkel, die Schwärze lag auf den Wänden, dem Boden, der Decke und nagte zusätzlich an seiner Seele. Er fühlte sich wie ein verängstigtes Kind, das seine erste Begegnung mit etwas Paranormalem hatte. Ihm fiel ein Sprichwort seines Großvaters ein, je größer die Dunkelheit, umso heller das Licht. Dunkelheit wird von Licht geschlagen, Furcht lässt sich damit zurückdrängen. Alex tastete nach dem Kabel der Tischlampe, seine Finger zogen sich hinauf bis zum Schalter und legten den Knopf um. Ein sanfter, kleiner Lichtschein erglänzte in der Dunkelheit und vertrieb zumindest stückweit die Angst, seine Panik und die Dämonen in seinem Kopf. Aber Dämonen sind hinterhältige Wesen, die sich nicht so leicht durch ein mickriges Leuchten verjagen lassen. Deshalb stürzte Alex‘ Gedankenwelt schon bald darauf wieder ins Chaos. Zum ersten Mal wünschte er sich zurück in seine Heimat, wünschte sich zurück in das Drecknest seiner Mutter. Herr Gott, er hätte momentan sogar seinen kriminellen Bruder vorgezogen als die Scheiße, in die er geraten war. Alex ließ sich auf sein Bett fallen und ringelte sich ein wie ein Igel, der Besuch von einem Raubtier bekommen hat. Das Medaillon um seinen Hals, das Schmuckstück, welches er sein Erbe nannte, rutschte zur Seite hinweg und er griff danach. Während seine Finger manisch über die Oberfläche glitten (er hatte in diesem Moment etwas von Gollum, der den einen Ring immerzu streichelt und ihm zuflüstert), plagten ihn düstere Gedanken. Bis zwischen all die Pein plötzlich und unerwartet die Erlösung eintrat. Sein Unterbewusstsein rief ihm die seemannsblauen Augen ins Gedächtnis, hinter denen so viel Anmut verborgen lag. Der Schrecken hatte auch etwas Schönes mit sich gebracht, denn nicht nur Freya war von Alex‘ Erscheinung wie betäubt gewesen. Wer sie wohl sein mochte? Dieser wunderschöne Engel mit den Dämonenflügeln. Und obwohl er bis dato noch nie taggeträumt hatte, flüchtete er sich nun in eine andere Welt. Und in dieser Eingebung legte diese furchteinflößende und doch so anziehende Persönlichkeit, die er dort oben auf der Brüstung hatte stehen sehen, ihre Flügel um seinen Leib und wog ihn darin wie einen Säugling. Er vernahm eine Stimme, sie klang zu fern, um ihre Botschaft genau zu deuten. Am Ende hörte er das Wort Herz heraus. Und die Dämonen verwandelten sich in harmlose Schatten.
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