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Все книги издательства Bookwire


    Adorno wohnt hier nicht mehr

    Jochen Schimmang

    Vor 50 Jahren, im August 1969, starb Adorno – und Jochen Schimmang übt sich in Abwesenheitspflege. In melancholischen bis heiteren, zum Teil autobiografisch gefärbten Geschichten erzählt er von Formen und Figuren des Verschwindens. Von Menschen, Gebäuden, ganzen Vierteln; von Techniken, Gesten, Sprechweisen. Ein Jubilar versteckt sich mit seiner Frau auf dem Dachboden vor seinen Freunden, die zum 70. Geburtstag aus allen Himmelsrichtungen auf ihn einstürmen, obwohl er viel lieber nur mit zweien von ihnen essen gegangen wäre. Rothermund macht sich auf die Suche nach dem verschwundenen Maler Guthermuth. Ein Spaziergang durch Frankfurt zeigt, wer, außer Adorno, noch alles nicht mehr dort wohnt. Aber Spaziergänge sind ohnehin sterbende Institutionen, ein Sich-Verirren in der Welt kann zum Verwirren der Welt werden. Milieus, die sich nicht mehr erreichen, Nomaden in Monaden. Nur Gott ist nicht verschwunden, er taucht pünktlich um halb sieben in der Kirche auf – im Fischgrätmantel. Jochen Schimmangs feinsinnige Erzählungen gehen auf Spurensuche nach Lücken und Verlusten und zeigen zugleich, dass «Identität» eine höchst fragile Konstruktion ist.

    Maria Rosenblatt

    Corinna T. Sievers

    Maria Rosenblatt, erfolgreiche Ermittlerin, lebt mit ihrem Mann Hannes, einem Psychiater, und zwei Kindern in einer Villa an einem der Schweizer Seen – alles scheint perfekt. Aber als Maria bewusst wird, wann Hannes zuletzt mit ihr geschlafen hat – bei der Zeugung ihrer Tochter vor fünf Jahren – überfällt sie eine Wehmut, die sich nicht mehr abstreifen lässt.
    Maria Rosenblatt ist Mitte vierzig und einsam. Und sie giert nach Leben. Von nun an könnte jeder Mann, der ihr begegnet, der Richtige für ein Abenteuer sein. Sie beginnt eine leidenschaftliche Affäre mit dem neuen Staatsanwalt. Ihre Ermittlungen in einem Fall von Kinderpornografie geraten in Gefahr. Sie vernachlässigt ihre Kinder. Und ist zum ersten Mal im Leben glücklich und bereit, alles zu riskieren.

    Erhebungen

    Natasha Stagg

    Ein Roman über Aufstieg und Fall in Zeiten von Social Media: Die 23-jährige Colleen hat einen öden Job an einem Marktforschungsinstitut in Tucson, Arizona. Sie schlafwandelt fast durch ein Leben zwischen stumpfem Arbeitsalltag, ermüdenden One-Night-Stands und ihrer nie fertig eingerichteten Wohnung in einem gesichtslosen Apartmentblock in der Peripherie. Einen kurzzeitigen Kick findet Colleen darin, Geld für Sex zu nehmen – doch wirklich lebendig wird sie nur, wenn sie online ist: Im Netz kann sie sich neu erfinden, berauscht von ihrem eigenen, an Klickzahlen nachzuverfolgenden Marktwert. Colleen wird zum Internet-Star, als sie von Jim entdeckt wird, einer semiprominenten Social-Media-Ikone von geheimnisvoller Männlichkeit. Sie verliebt sich in ihn und zieht nach Los Angeles. Die beiden treten nun, mit großer Sorgfalt inszeniert, als das It-Paar auf: Gefeiert von ihren Fans hoppen sie von einer gesponserten Party zur nächsten und verdienen als professionelle Narzissten groß am Hype um ihr Image. Aber dann taucht Lucinda auf, die ihre Online-Persona genauso stetig neu erfindet wie Colleen – nur immer ein kleines bisschen besser …
    "Der Roman spiegelt und demontiert die klassische weibliche Coming-of-age-Erzählung." Chris Kraus, Autorin von «I Love Dick»
    "Erzählt in einem extrem nüchternen, reduktionistischen Stil, vermeidet ›Erhebungen‹ direkte Beschreibungen der virtuellen Welt und konzentriert sich stattdessen auf die anonymen Hotelzimmer und Schwarzlicht-Nachtclubs, die als deren Hintergrundkulisse dienen. Vor dieser faden Kulisse heben sich die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie in beängstigender Schärfe ab." New York Times

    Von Wegen

    Niels Boeing

    Nach dem Erfolg von «Gentrifidingsbums» das neue Standardwerk zur Debatte!
    Ja, Sie lesen richtig: Es gibt eine Alternative zum urbanen Kapitalismus, die mit Mietenwahnsinn, prekären Dienstleistungen und Gated Communities brechen kann. Experimente dazu laufen allerorten. Der Weg zu dieser Utopie erfordert List und Entschlossenheit. Aber das Ziel lohnt: die freie Stadt der Zukunft, der Ort, an dem die Menschen gemeinsam ihre Angelegenheiten selbst in die Hand nehmen.
    Die Zukunft des Kapitalismus entscheidet sich in der Stadt. Seit dem Crash von 2008 rennen immer mehr Menschen gegen die Zumutungen einer Stadt als Anlageobjekt an, die die urbanen Räume vollends in Profit- und Sicherheitsmaschinen verwandeln. Sie fordern: «Recht auf Stadt» für alle.
    Gegen das «Gentrifidingsbums» setzen sie Versammlungen, Wiederinbesitznahme öffentlicher Räume, echte Beteiligung an der Gestaltung der Städte. Die Umrisse einer anderen Stadt zeichnen sich bereits ab. Niels Boeing, selbst Aktivist in den urbanen Auseinandersetzungen, beschreibt die Spielräume und gibt ihnen eine kluge und durchdachte Grundlage.
    Aus dem Inhalt: Recht auf Stadt / Selbstverwaltung / Staat und Herrschaft / Wohnen / Produktion / Nachhaltigkeit / Kommen und Bleiben / Gemeinschaft und Gesellschaft / Spielräume und Kampfzonen / Die freie Stadt der Zukunft

    Erschlagt die Armen!

    Shumona Sinha

    Der Skandalroman aus Frankreich über die Unlebbarkeit des Asylsystems, erzählt in verstörend schönen Bildern.
    "Erschlagt die Armen!" ist Titel eines Prosagedichts von Charles Baudelaire, und die Protagonistin dieses Romans scheint ihn wörtlich genommen zu haben: Die junge Frau schlägt einem Migranten in der Metro eine Weinflasche über den Kopf und findet sich in Polizeigewahrsam wieder. Dort soll sie sich erklären: Was treibt eine dunkelhäutige Frau indischer Abstammung, die in der Asylbehörde als Dolmetscherin zwischen Asylbewerbern und Beamten vermittelt, zu einer solchen Tat? Täglich übersetzt sie das Jammern und die Lügen der Asylbewerber, deren offensichtliches Elend der Behörde nicht reicht – und ist angewidert vom System, deren Teil sie geworden ist. Als Migrantin bleibt sie fremd in den Augen der Beamten, aber auch für ihre ehemaligen Landsleute ist sie fremd – als eine, die es geschafft hat. Schließlich scheint es auch für sie in der menschengemachten Enge der Welt keine andere Begegnung als den Angriff zu geben.
    Erschlagt die Armen! ist ein zorniger Roman, der in kraftvoller, bilderreicher Sprache aufrüttelnde Fragen zu Identität und Zusammenleben in einer globalisierten Welt stellt.
    Ausgezeichnet mit: • Prix Valéry Larbaud 2012 • Prix du Roman Populiste 2011 • Shortlist des Prix Renaudot und Prix Médicis

    Die Zurückgekehrten

    Néhémy Pierre-Dahomey

    Was ist mit den Menschen, deren Flucht scheitert? – Belliqueuse Louissaint, genannt Belli, überlebt nur knapp den Versuch der illegalen Überfahrt von Haiti Richtung USA, verliert ihren kleinen Sohn jedoch ans Meer. Sie kehrt nach Port-au-Prince zurück und lässt sich in einer Siedlung namens «Rückkehr» nieder, ein Ort für all jene Unglücklichen, deren Auswanderungsversuch gescheitert ist. Belli macht sich entschlossen daran, ihrer Familie in dem Elendsquartier ein Zuhause zu schaffen. Doch schließlich sieht sie sich gezwungen, ihre beiden Töchter zur Adoption freizugeben. Luciole verschwindet so nach Nordamerika, Bélial hingegen wird von ihrer neuen Mutter mit nach Frankreich genommen. Sie wird als junge Erwachsene nach Haiti zurückkehren und ihre Mutter suchen, doch diese ist längst in einem Exil der ganz anderen Art.
    In Néhémy Pierre-Dahomeys preisgekröntem Debütroman trifft sprachliche Leichtigkeit auf die Härten des Alltags und auf Katastrophen tragischen Ausmaßes in einem der ärmsten Länder der Welt – ein Roman von außergewöhnlicher erzählerischer Kraft.
    Ausgezeichnet mit dem «Prix Révélation 2017» der Société des Gens de Lettres, mit dem «Prix de soutien Cino Del Duca» auf Vorschlag der Académie Française sowie mit dem «Prix Carbet des Lycéens de la Caraïbe 2018».
    "Dieser Debütroman des haitianischen Autors Néhémy Pierre-Dahomey ist ein Meisterwerk." L'Humanité
    "›Die Zurückgekehrten‹ entkommt dem Erwartbaren und balanciert auf dem gespannten Seil der Vieldeutigkeit." Marianne

    Fake Metal Jacket

    Sven Recker

    Peter Larsen ist Kriegsreporter. Einer von denen, die hingehen, wo es weh tut: dicht dran an Flüchtlingen, Kriegsopfern und Katastrophen, unerschrocken im Gespräch mit Warlords und Schleusern. Mit Bild und Ton, live und online. Nur: Alles ist Fake. Die syrischen Flüchtlinge sind afghanische Asylbewerber, der Seelenverkäufer ein Fischerboot in Brandenburg, der Rest aus dem Internet zusammengeschnitten – Hauptsache, es entspricht den Erwartungen, dann geht alles durch. Peter Larsen ist feige, und er weiß das, aber seine Masche funktioniert. Selbst schuld, wer das glaubt. Und schließlich steht er ja auf der richtigen Seite, für die Freiheit, gegen den Krieg, gegen Assad – der Zweck heiligt die Mittel. Als die bildschöne Cousine seines Kumpels und Komplizen Ahmad in Syrien Hilfe braucht, sieht Larsen die Gelegenheit, mit sich ins Reine zu kommen. Doch Leila kann sich keine Moral leisten, sie steht auf der anderen Seite, und Larsen wird erpresst: Entweder berichtet er von nun an zugunsten des Assad-Regimes, oder sein jahrelanger Betrug fliegt auf …
    Sven Recker, selbst Entwicklungshelfer für den Aufbau unabhängiger Medien in Krisenregionen, hat einen schwarzen Roman über Fake News, korrupte Journalisten und die Leichtgläubigkeit des Publikums geschrieben. Inspiriert von Fällen wie dem des «Fake-Kriegsfotografen» Eduardo Martins schreibt er packend und desillusionierend über die Wahrheit im Zeitalter ihrer technischen Produzierbarkeit.

    Lenina Kämpft

    Robert Brack

    Lenina Rabe ist sich sicher. Es war Mord und kein Unfall. Was trieb ihren Vater nachts zum Athabaska-Kai? Und was suchte der Mann mit der Narbe, den sie bei einem Einbruch in das Detektivbüro überrascht? Lenina, eine junge Frau, die lieber Beethoven hört als sich mit ihren Freundinnen in den einschlägigen Clubs auf dem Kiez zu amüsieren, erhält immer verwirrendere Informationen. Ihr Vater, ein alter Revoluzzer und Straßenkämpfer, soll gute Kontakte zur D.P.O., der neugegründeten «Deutschen Partei für die Ordnung» gehabt haben. Und der Mann mit der Narbe macht offenkundig krumme Geschäfte mit Hektor, dem Besitzer des Szene-Ladens «Sold To The Highest Buddha Inc.», für den Lenina heimlich schwärmt. Bei ihrer Suche stolpert sie über Dokumente, für die sich nicht nur die selbsternannten Saubermänner der Stadt interessieren. Mit Hilfe ihrer in der Anti-Globalisierungsbewegung engagierten Freunde kommt sie einer Verschwörung auf die Spur, in der neben einem einflußreichen Fleischgroßhändler auch einige ihrer Bekannten aus der Club-Szene verwickelt sind. Von der Polizei gejagt gerät Lenina in eine Situation, aus der sie auch ihre Aikido-Künste nicht mehr befreien können. Mit Lenina Rabe hat der mehrfach ausgezeichnete Krimi-Autor Robert Brack, auch bekannt unter seinem erst kürzlich aufgedeckten Pseudonym Virginia Doyle, eine wunderbar widersprüchliche Krimi-Heldin geschaffen: etwas verschroben, etwas naiv, mit viel Temperament und Spontaneität ausgestattet, kühl, distanziert und dennoch sehr verletzlich.

    Das Fortschreiten der Nacht

    Jakuta Alikavazovic

    Ein Roman über eine asymmetrische Liebe in Zeiten zunehmender Angst
    Paul, Sohn eines Maurers aus der Pariser Banlieue, und Amélia, Tochter eines reichen Vaters und einer Mutter, die verschwand, als sie einen Krieg verhindern wollte, tanzen über dreißig Jahre einen Walzer voller Ausweichschritte umeinander. Beide studieren Architektur – er verdient seinen Unterhalt mit Nachtschichten an der Rezeption eines Hotels, das Amélias Familie gehört und in dem sie lebt. Paul ist fasziniert von ihr. Alles an ihr ist ein Rätsel, ihr Kommen und Gehen, ihr wilder Intellekt, ihre Schönheit sowie die Gerüchte, die sie umgeben. Zunächst konkurrieren sie um die Gunst der Professorin Albers, doch bald entsteht ein nächtliches Liebesverhältnis. Nachts können sich die Parallelen ihrer beider Leben schneiden, nachts kann der Raum zu ihren Gunsten neu vermessen werden. Doch Amélia verschwindet, unbegreiflich für Paul. Die Stadt und das Leben darin werden indessen zunehmend von Angst geformt. Paul wird reich im Geschäft mit schusssicheren Fenstern, geheimen Räumen und Überwachungstechnik, und die Angst wird auch vor seinem eigenen Leben nicht halt machen. Schließlich erfährt er, dass Amélia damals nach Sarajevo gegangen ist, um ihre Mutter zu suchen. Zehn Jahre später kehrt sie zurück, und eine Tochter wird geboren. Doch niemand entkommt den Phantomen der eigenen Geschichte, die immer von Neuem beginnt. Elegant, evokativ und mit großem literarischen Feingefühl erzählt Jakuta Alikavazovic von dem, was unwiederbringlich verloren ist. Und von dem, was vielleicht noch gerettet werden kann.
    "Jakuta Alikavazovic streift tausend Themen auf einmal, in einer Erzählung auf der Rasierklinge, Funken schlagend, waghalsig, fesselnd und voller Geheimnis." Télérama
    "Jakuta Alikavazovic ist ein seltenes, kraftvolles und einzigartiges Talent." Le Monde

    Krume Knock Out

    Sven Recker

    Wer ins Paradies will, muss erst einmal am Leben vorbei. Ein sezierender Blick auf unsere Gesellschaft, auf Bindungen, Bestimmungen und blinden Zufall.
    "Stell dir vor, du bist ein Elefant und willst fliegen."
    Börner, arbeitslos und trockener Alkoholiker, will endlich die Fahrprüfung bestehen und den Job als Busfahrer kriegen. Julia von Weisblum, Klinikärztin, fragt sich, ob die Stelle in der Schweiz der Ausweg aus ihrer Krise sein könnte. Der alte Schröder, ein inzwischen ziemlich hilfloser Großkotz, will sterben. Sein übergewichtiger Pfleger Thorsten soll ihm dabei helfen, verliebt sich in die Ärztin und trägt sowieso sein ganz eigenes Kreuz. Tatjana, Kindermädchen von Tills Sohn Felix, will endlich ihren eigenen Sohn zu sich holen. Till Schröder wiederum ertränkt seine Probleme und den nahenden Tod seines Vaters im Suff. Am Tresen trifft er Drago, einen Grasdealer mit gerade überstandener Hasch-Psychose, der mit seinem Bruder Marko das letzte, aber ganz sicher ganz große Ding drehen will. Alle versuchen ihr Leben in den Griff zu bekommen, alle Geschichten laufen, in unterschiedlicher Geschwindigkeit, auf das große Finale zu, wo alle in Börners Bus zusammentreffen.
    Es ist ein großartiges Figurenensemble, dem Recker hier Leben gegeben hat. Er erzählt seine Geschichten virtuos und auf der Höhe der Zeit. Sein Debüt ist schwebend polyphon in den Stimmen und sehr geerdet im Thema.
    Auf der Shortlist zum Bachmannpreis 2015!